Ich habe im Grunde genommen keine Ahnung von Fußball. Wenn Urs Meier, Günter Netzer oder Jürgen Klopp in der Halbzeitpause erklären, was da gerade wieder schiefgelaufen ist, dann nicke ich immer zustimmend, könnte aber schon zum Anpfiff der zweiten Halbzeit nicht wiederholen, was die da gerade erzählt haben.
Von den Hintergründen, die außerhalb vom Spielfeld die Geschehnisse im Fußball bestimmen, weiß ich sogar noch weniger. Sowas muß ich mir erst recht erklären lassen, wenn es mich denn ausnahmsweise mal interessiert.
Für so etwas gibt es Sportjournalisten. Einer, der diesen Beruf offenbar sehr investigativ ausübt und sich auch von vermeintlich übermächtigen Funktionären nicht einschüchtern läßt, ist Jens Weinreich. Dieser ist nun mit dem Deutschen Fußballbund, insbesondere mit dessen Präsidenten Theo Zwanziger aneinandergeraten.
Weinreich hatte Zwanziger in einem Blogkommentar im Zusammenhang mit dem Bosman-Urteil einen "unglaublichen Demagogen" genannt. Ob das geschickt war oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, Fakt ist, daß jemand, der so in der Öffentlichkeit steht wie Zwanziger, so etwas aushalten können muß.
Hat er aber nicht.
Stattdessen hat Zwanziger seine Anwälte losgeschickt, Weinreich sollte eine Unterlassungserklärung abgeben.
Macht der aber nicht.
Und dann wird's richtig dreckig. Zwanziger scheitert in zwei Instanzen, wo man ebenfalls zum Schluß kommt, daß Weinreichs Äußerung vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei. Daraufhin wird Weinreich öffentlich vom DFB in einer Pressemitteilung diskreditiert. Doch Weinreich gewinnt wieder, erwirkt eine Gegendarstellung.
Und wieder zeigen sich DFB und Zwanziger als schlechte Verlierer. Mittlerweile drei juristische Auseinandersetzungen werden ausgeweitet und in die Länge gezogen, so daß der Verdacht naheliegt, daß hier versucht wird, Weinreich auf finanziellem Wege zum Aufgeben zu zwingen, immerhin steht der schon vor einem fünfstelligen Berg an Kosten.
Ein Verband in der Größenordnung des DFB kann darüber nur müde lächeln, einen freien Journalisten kostet es möglicherweise die Existenz.
Ich habe eingangs erwähnt, daß mich die Geschehnisse hinter den Kulissen im Fußball kaum interessieren.
Wenn aber jemand mundtot gemacht werden soll, indem man eine finanzielle Drohkulisse aufbaut, dann ist das eine skandalöse Mißachtung nicht nur von unserem Rechtssystem sondern auch von Presse- und Meinungsfreiheit.
Aus diesem Grund habe ich soeben 20 Euro an Jens Weinreich gespendet.
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