In den "O-Ton-Charts" des Radiosenders 1Live werden Audioausschnitte recyclet, die jeweils Fernseh- und Radiosendungen entnommen werden und offenbar irgendwo zwischen skurril bis amüsant angesiedelt sein sollen, immerhin ist dieses Format auf der 1Live-Webseite unter der Rubrik "Comedy" zu finden.
In der vergangenen Woche wurden die aktuellen Neuvorstellungen präsentiert.
Darunter war ein Beitrag aus dem ProSieben-Boulevard-Magazin "taff". Zu hören ist darin ein Arzt für plastische Chirurgie, der einer jungen Frau mit deutlichen Worten von einem seines Erachtens vollkommen überflüssigen Eingriff abrät:
"Also ich würde Ihnen dazu nicht raten, muß ich Ihnen wirklich sagen. Hören Sie doch auf, Mensch, Sie sind eine junge Frau, Sie sind attraktiv […] Lassen Sie sich doch nicht verarschen, wer redet Ihnen denn den Unsinn ein? Sie haben schöne Ohren, eine schöne Nase, ein schönes Gesicht, und deswegen wären wir auch nicht bereit, das zu machen."
Ich war zu dem Zeitpunkt gerade damit beschäftigt, einen Parkplatz zu finden, sonst hätte ich spontan applaudiert. Wenn man sich die entstellten Ergebnisse – Gesicht mag man das ja nicht mehr nennen – ansieht, die nach zahllosen Liftings, Lippenaufspritzungen und Botox-Injektionen auf prominenten Köpfen wie Wachsmasken herumgetragen werden, man ist froh über jede einzelne abgelehnte Operation. Dieser Mann verdient eigentlich eine Auszeichnung.
Bei 1Live sieht man das offenbar anders.
Denn dort wurde dieser Beitrag (sinngemäß, wie gesagt, ich saß im Auto) vom Moderator eingeleitet mit diffamierenden Sätzen die dem Chirurg unterstellten, "anscheinend schon genug Geld für Villa und Yacht gesammelt" zu haben.
Und wenn man nun der Ansicht ist, daß diese Privatradios ohnehin alle niveaulos und primitiv seien, was ja gerade erst bei der unsäglichen Punktevergabe bei Stefan Raabs Bundesvision-Song-Contest wieder bewiesen wurde: 1Live ist ein öffentlich-rechtlicher Sender.
Nur zur Erinnerung, wenn die GEZ das nächste Mal abbucht.





