Nach dem zu Unrecht nicht als Tor gewerteten Treffer von Frank Lampard in der Fußball-WM-Begegnung Deutschland gegen England werden Stimmen laut, die fordern, den Ball mit einem Chip auszustatten, der dem Schiedsrichterteam meldet, ob der Ball vollständig hinter der Torlinie war oder nicht.
Bürgerrechtsorganisationen wie StopRFID, der FoeBuD und die Piratenpartei lehnen ein solches Vorhaben jedoch aus Datenschutzgründen strikt ab.
"Auch Multimillionäre haben ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung," so der Sportbeauftragte der Piratenpartei, Bodo Schokolowski, direkt nach dem Spiel. "Ein mit einem solchen Chip überwachter Ball macht das Spielverhalten jedes einzelnen Teammitglieds vollkommen gläsern. Nicht genug, daß jeder Spieler mit Rückennummer und Namensaufdruck eindeutig identifizierbar ist, ganz zu schweigen von der ständigen Kameraüberwachung am Arbeitsplatz, jetzt soll auch noch das Arbeitsgerät durch den Arbeitgeber elektronisch überwacht werden. Das ist einfach nicht mehr hinnehmbar."
Betroffen wären zudem nicht nur die Spieler sondern auch Zuschauer, die den Ball zufällig fangen, sowie Balljungen, Sportartikelverkäufer und Platzwarte.
Gegen den Überwachungswahn im Sport äußerte sich daher auch der ehemalige Fußballprofi Günter Netzer in der Halbzeitpause: "Fußball bedeutet Drama!"
Kritisiert wurde auch, daß ein solcher Chip praktisch von jedem ausgelesen werden kann, ohne daß der ballführende Spieler dieses erfährt. Als Alternative schlägt die Piratenpartei daher Torschiedsrichter vor, die hinter der Linie sitzen und jeweils einen Barcodescanner mitführen. Sobald der Ball sich hinter der Linie befindet, kann dessen Barcode für alle öffentlich sichtbar vom Torschiedsrichter ausgelesen werden.
Auf das Problem hingewiesen, daß dies doch den Spielverlauf drastisch verzögern würde, reagierte Schokolowski hingegen gelassen: "Es ist nicht Aufgabe der Politik, die Probleme von Sportverbänden wie der FIFA zu lösen. Wenn ein Fußballspiel nicht datenschutzkonform ausgerichtet werden kann, dann müssen solche Veranstaltungen eben untersagt werden. Da muß man auch mal unpopuläre Entscheidungen mittragen und entsprechend kommunizieren."
Gerüchten zufolge habe allein der Stürmer Mario Gomez keinerlei Bedenken gegen einen solchen Chip im Ball. Was das anginge, habe er nichts zu verbergen, so lautete es aus noch unbestätigter Quelle.











