Wenn man im Fernsehen Menschen wie Oliver Pocher nicht mehr zeigen würde, wäre die Welt ein besserer Ort.
In seinem gestrigen Beitrag bei "Schmidt & Pocher" zur Berlinale spielte er einen Boulevardjournalisten und sprach einen dunkelhaarigen, bärtigen Mann an, der aufgrund der Außentemperatur einen dicken Anorak und eine Inka-Strickmütze trug. "Der Iran", so Pocher, "ist ja auch ein großes Thema hier auf der Berlinale", woraufhin der Angesprochene leicht irritiert aber akzentfrei entgegnete, daß er griechischer Herkunft sei.
Das allein reichte Pocher jedoch nicht, und so machte er daraus im Laufe des Beitrags einen "griechischen Einwanderer", was der sympathische Mann zurückwies: "Wieso Einwanderer?" Pocher druckste herum. "Was denn dann?" "Sagen wir doch einfach Deutscher."
Es folgte eine eher laue Nummer, in der er verzweifelt versuchte, den Mann dazu zu bewegen, sich über Sandy Meyer-Wölden oder Jenny Elvers-Elbertzhagen lustig zu machen, wobei dieser jedoch nicht mitspielte, offenbar kannte er die Personen einfach nicht.
So vorgeführt zu werden, das konnte Pocher aber nicht auf sich sitzen lassen, und so verabschiedete er den bärtigen Mann mit der lustigen Mütze: "Und viel Erfolg noch bei der Jobsuche."
Es war nur ein schlechter Witz, klar, aber so ist Pocher: Wenn er weiß, daß ein billiges Klischee für eine nicht minder billige Pointe taugt, dann muß der Witz auch gemacht werden.
Ein paar Minuten später in der Sendung hat Pocher seinen nächsten großen Moment. Er darf in einem Dresdener Einkaufszentrum Passanten bloßstellen, die die Evolutionstheorie nicht erklären können und auch nicht wissen, daß Darwin sie entwickelt hat. Eine attraktive, junge Frau, die das ebenfalls nicht vermag, fragt er nach ihrem Beruf, worauf sie entgegnet, daß sie Friseurin sei.
Da ist Pocher wieder in seinem Element. Solarium, Friseurin, weiß nicht, wer Charles Darwin war. Da paßt wieder alles zusammen in Pochers Welt.
Charles Darwin hätte vermutlich seinen Namen geändert, wenn er gewußt hätte, daß man irgendwann einmal jemanden wie Pocher einen Sozialdarwinisten nennen muß.
(Diesen Beitrag habe ich auch in der Online-Ausgabe der Wochenzeitung "der Freitag" gepostet.)