Und ich mache mir das nicht leicht. Daß die Kernkompetenz dort bei digitalen Medien, Datenschutz und informationeller Selbstbestimmung liegt, daran zweifelt sicher niemand.
Aber, um ehrlich zu sein: Mir ist das wichtig.
Wenn das beherrschende Thema meines bisherigen Lebens die Führung eines ländlichen Familienunternehmens gewesen wäre, meine Eltern mich streng katholisch erzogen hätten und ich außer meinem Heimatdorf und einem Ferienhaus in den bayrischen Voralpen sonst nichts von der Welt gesehen hätte, ja, dann, dann vielleicht würde ich möglicherweise CDU wählen. Aber so?
Ich beschäftige mich seit fast 25 Jahren mit digitaler Technologie, seit über 15 Jahren sogar hauptberuflich, mehrere Stunden am Tag. Digitale Medien bestimmen daher nicht nur mein Berufs- sondern auch mein Privatleben. Und angesichts dessen, was die etablierten Parteien in der Vergangenheit auf diesem Gebiet beigetragen haben, bleibt mir außer der Piratenpartei kaum noch eine Wahl.
- Die CDU wäre dieses doofe Internet am liebsten komplett los.
- Die SPD hat es einfach noch nicht verstanden. Und ich habe nicht genug Zeit, darauf zu warten, wäre aber bereit, es ihnen zu erklären. (Zumal dort bei einigen durchaus Potential vorhanden ist.)
- Die FDP gibt sich nach außen liberal, es sei denn, es kommt Gegenwind auf.
- Die Grünen haben mich insbesondere in der Diskussion um Softwarepatente (namentlich: Renate Künast) maßlos enttäuscht.
- Die Linke ist mir in ihrer Gesamtheit einfach zu göttingen. (Erkläre ich gerne auf Anfrage.)
"Aber dann verschenkst du doch deine Stimme!"
Nö, finde ich nicht. Ich bin nämlich durchaus nicht der Ansicht, daß das Programm der Piraten zu dünn oder monothematisch ist.
Ganz im Gegenteil, insbesondere der Punkt Transparenz ist meines Erachtens wert, hervorgehoben zu werden.
Es heißt dort:
Der Einblick in die Arbeit von Verwaltung und Politik auf allen Ebenen der staatlichen Ordnung ist daher ein fundamentales Bürgerrecht und muss zum Wohle der freiheitlichen Ordnung entsprechend garantiert, geschützt und durchgesetzt werden.
Ich kann das gar nicht stark genug betonen. Der o.a. Satz müßte eigentlich in einer 96pt-Schrift, fett und unterstrichen sein.
Die ganzen Schweinereien, Skandale und Unfassbarkeiten, über die ich mich in den letzten Jahren mehr oder weniger aufmerksamer Politikbeobachtung ärgern mußte, hatten eines gemeinsam: Sie wurden alle verursacht oder zumindest ermöglicht dadurch, daß irgendjemand versuchte, irgendwo unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit die Weichen günstig für sich oder seine Kumpane zu stellen.
Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus? Dazu müßte es erstmal wissen, was überhaupt auf der Tagesordnung steht.
Das geht im Kleinen los, bei den Mauscheleien um Baugebiete, bei kommunalen Aufträgen und bei der Privatisierung von öffentlichen Betrieben. Und es endet im Großen, bei der Subventionierung der Atomindustrie und bei den Gründen, warum Kriege angezettelt werden.
Irgendwer hat einen Vorteil davon, daß niemand erfährt, worum es wirklich geht.
Da kann mehr Transparenz dem Bürger ganz sicher nicht schaden. Was er daraus macht, wird man sehen.
Ich habe mich jedenfalls entschieden.





