Eine neue Beziehung einzugehen, hat nicht nur den Vorteil, daß man abends nicht mehr alleine einschlafen muß, sondern bringt auch mit sich, daß man auf einen Schlag mit einer Menge neuer Leute bekannt gemacht wird.
Sofern der oder die andere nämlich kein in sich gekehrter Eremit ist – was ein Kennenlernen ohnehin grundsätzlich erst einmal erschweren würde – hat der jeweilige Partner in aller Regel diverse Freunde, Kollegen und Verwandte, die man sich möglichst auch noch merken muß, um Erzählungen einigermaßen folgen zu können.
Kommen nun beide Partner ursprünglich auch noch aus verschiedenen Städten und haben daher zunächst keinen gemeinsamen Bekanntenkreis, dann kommt man nicht umhin, Berichten über bestimmte Personen zumindest rudimentäre Beschreibungen beizufügen.
Dabei gibt es verschiedene Methoden zur gedanklichen Unterstützung, die üblicherweise entweder äußerliche Merkmale, besondere Verhaltensweisen oder ein beim ersten Kontakt stattgefundenes Ereignis beinhalten.
Daraus wiederum ergeben sich zumeist Bezeichnungen, die den "Drei-Finger-Joes" und "Koffer-Murphys" aus Ganovenfilmen ebenso Tribut zollen, wie den blumigen Beschreibungen amerikanischer Ureinwohner, wobei ich mich immer frage, ob die das heute immer noch so machen und ihre Kinder "Der-den-ganzen-Tag-Playstation-spielt" oder "Hat-die-Hose-auf-halb-acht" nennen.
Man ahnt bereits: Auf diese Weise zustande gekommene Chrarakterisierungen sind gelegentlich nicht sehr schmeichelhaft, sind jedoch keinesfalls böswillig zu verstehen und dienen in erster Linie zur Unterstützung des Erinnerungsvermögens.
So haben auch meine Freundin und ich diverse Bezeichnungen für unseren Bekannten-, Kollegen- und Verwandtenkreis gefunden.
Man kann durchaus behaupten, daß "Heimkater-Basti", "Die-mit-den-Haaren" und "Der-ausm-Baumarkt" dabei noch Glück gehabt haben.
Einigermaßen neutral bezeichnet wurden auch noch der "Beta-Strich-Cousin" und "Die-die-immer-so-parkt", während die Leute, die wir beide – sagen wir mal – "seltsam" finden, besser nicht mithören sollten, wie wir sie "Bubi Scholz", "Prinzessin Tausendschön" oder "Der-mit-dem-Nagel-im-Kopp" nennen.
Zugegeben: Ein bißchen regt sich da bei mir schon das schlechte Gewissen, schließlich soll man ja nicht schlecht über andere reden.
Andererseits bestätigte sich erst neulich meine Vermutung, daß ich mit diesem Verhalten nicht alleine bin.
Als wir nämlich vor kurzem im Einkaufscenter auf eine mir bislang unbekannte Kollegin meiner Freundin trafen, wurde ich vorgestellt mit den Worten:
"Das ist Lars. Der, der so böse guckt."
Und das soll von nun an mein indianischer Name sein.
Immerhin könnte es schlimmer kommen.









