Es gibt wohl kaum ein anderes Produkt, das die intellektuelle Minderleistung des Besitzers so deutlich zu Tage treten läßt wie ein großflächiger Heckscheibenaufkleber.
Weil der Heckscheibenaufkleber im Inneren des Autos seitenverkehrt zu lesen ist, wird er durch den Rückspiegel wieder korrekt zurückgespiegelt, ein physikalisches Phänomen, das sich der Besitzer des Heckscheibenaufklebers nur mit Magie erklären kann.
Zum einen dient der Heckscheibenaufkleber zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer vor sich selbst, indem er dem nachfolgenden Verkehr signalisiert: "Achtung, Auto mit Heckscheibenaufkleber."
Der Heckscheibenaufkleber erinnert den Besitzer aber auch an liebgewonnene Lebensgewohnheiten, z.B. wer dieses primitive Gegröhle produziert hat, welches gerade seinen untermotorisierten Kleinstwagen beschallt ("Böhse Onkelz") und wo das Gefährt, in dem er sich Synapsen wegbläst, hergestellt wurde ("Waffenschmiede Rüsselsheim").
Kommt zur Heckscheibenaufklebrigkeit auch noch eine Fußballaffinität des Besitzers zum Tragen, so offenbart jener häufig auch noch seine Schreibfäule, indem er sich "Borussia M'Gladbach" oder "1. FC. K'Lautern" auf die Heckscheibe pappt. Das kann aber auch daran liegen, daß auf die Heckscheibe eines Fiat Uno eben nicht so viele Buchstaben passen.
Fast schon niedlich dagegen sind bei jedem Wetter schwarz gekleidete Freizeitleichen, die auf ihre quietschgelben Autos "Unheilig" oder "Devilish" draufkleben.
Es muß eine Art Naturgesetz sein, daß Heckscheibenaufkleber ihren Besitzer grundsätzlich peinlich, primitiv und ungebildet erscheinen lassen.
So dachte ich, bis ich am Samstag nur wenige Meter vor meiner Haustür diesen Heckscheibenaufkleber sah:

In schwarzer Gothic-mit-herunterlaufendem-Blut-Schrift hatte dieser Autobesitzer das Wort "Heckscheibe" auf seine Heckscheibe geklebt und mich damit sogar für lindgrüne Fiat Puntos mit Diddl-Mäusen und "Böhse Onkelz"-Aufkleber entschädigt.