Meine teuerste Banane

Ich weiß nicht genau, ob ich mir das gründlich genug überlegt habe. Aber: Ich habe mich für den morgigen 10km-Lauf in Hannover angemeldet.

Ich werde langsam sein. Sehr langsam. Es wird aussehen wie Ottfried Fischer auf Valium und sich anhören wie Darth Vader beim Leistungs-EKG, aber ich habe mir fest vorgenommen, irgendwie ans Ziel zu kommen.

Das wird im Zweifelsfall gehend sein, Abkürzungen gibt es keine, weil der Rundkurs einmal um den Maschsee führt, und wenn ich die Hälfte schon mal geschafft habe – was ich beim Training problemlos hinbekommen habe, bin ich ohnehin an dem Punkt, der am weitesten vom Ziel entfernt ist, da könnte ich mir höchstens noch ein Taxi rufen. Wenn ich dann noch sprechen kann.

Ich bin in den letzten Wochen knapp 30 km gelaufen, naja, ich brauche pro Kilometer ca. 10 Minuten, was mit dem bloßen Auge von Gehen kaum zu unterscheiden ist, meine längste Strecke waren ca. 7 Kilometer, aber da war noch Luft nach oben. Bei so einer Veranstaltung ist man ja ohnehin total euphorisiert, heißt es, da läuft man locker nochmal 5 Minuten schneller, heißt es.

Heißt es.

Meine Knie schmerzen eigentlich jetzt schon, und danach werde ich sie in einem Eimer Voltaren Schmerzgel baden, aber irgendwie komme ich schon an. Und wenn nicht, lege ich mich einfach auf die Straße und warte, bis mich jemand aufsammelt. Die Gefahr, daß ich dadurch andere Läufer behindere, besteht auch nicht, die werden alle vor mir sein.

Irgendwo nach Kilometer 4 wird es eine Verpflegungsstation geben, üblicherweise wird man dort mit Bananenstückchen und Pappbechern voll Wasser beworfen.

Das wird die bisher teuerste Banane in meinem Leben werden. Und dafür mußte ich dann auch noch kilometerweit zu Fuß laufen. So müssen sich die Menschen gefühlt haben, die damals über die grüne Grenze aus der DDR geflohen sind.

Nachtrag: Wie es ausgegangen ist, erfahrt Ihr hier.

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