Ich war nie Fan von Robert Enke. Ich hatte ohnehin nie ein besonderes Interesse an Fußball, umso weniger hat mir je an einzelnen Spielern gelegen.
Dennoch kann ich nicht verhehlen, daß mich die Art und Weise, wie einige sich gestern und heute nach dieser traurigen Nachricht benehmen, daran zweifeln lassen, daß aus dieser Gesellschaft noch irgendetwas werden könne.
Die Meldung war noch keine Stunde alt, da begannen die Witzemacher mit ihrem menschenverachtenden Werk, und allein deswegen hoffe ich inständig, daß es sowas wie Karma gibt. Oder jemanden, der diese Leute auf eine Liste setzt. Und es ihnen so richtig besorgt, wenn einer ihrer Angehörigen verstirbt. Mit dem Finger auf sie zeigt und wie Nelson Muntz immer wieder “Haha” ruft.
Nicht nur, daß euch der Arsch platzen würde, wenn ihr eure geschmacklosen Zoten nicht unter’s Volk bringen könntet, nein, es muß auch gleich sofort sein, und wenn noch ein paar Leute verletzt werden, die gerade fassungslos sind und trauern: Hey, umso besser.
Denkt auch nur eine Minute mal darüber nach, ob ihr diese Witze in genau dieser Situation auch vor der Witwe im Wohnzimmer machen würdet.
Ihr kotzt mich an, ihr widerlichen Schweine.
Nur unwesentlich sympathischer sind diejenigen, die keine Sekunde zögerten und in feinster Klugscheißermanier aufzuzählen wußten, wie viele Menschen jeden Tag in Deutschland Suizid begehen und scheinheilig fragten, warum darüber nicht berichtet werde. Setzen, sechs, Thema verfehlt.
Ich verrat’s euch: Weil das Menschen sind, um die es zwar genauso schade ist, aber sie standen nunmal nicht in der Öffentlichkeit. Und wenn ihr euch auch nur im geringsten daran erinnern könnt, wie Kurt Cobain starb, unter welchen Umständen Lady Di ums Leben kam oder welcher von den Beatles bei einem Attentat getötet wurde, dann hört verdammt nochmal auf, so zu tun, als wäret ihr so beschissen überlegen, daß euch Meldungen über Prominente nicht interessieren.
Insbesondere ein Sportler wie Enke, der nie aus der Rolle fiel, der einfach nur bescheiden seiner Tätigkeit nachging, hatte nunmal eine Vorbildfunktion, ob für Zuschauer oder auch für junge Sportler. Was erzählt ihr denn einem 10-jährigen E-Jugend-Torwart, der auf dem Bolzplatz am Nachmittag am liebsten im 96-Trikot aufläuft? “War doch nur irgendso’n Fußballer”?
Ja, euch ficht das nicht an, war ja keiner, den ihr kanntet. Aber wenn Omma mal nicht mehr ist, dann soll aber bitte die Kapelle voll sein und alle artig ihr Beileid bekunden.
Merkt euch das: Wer einem etwas bedeutet und wer nicht, entscheidet nicht ihr.
Und zum Schluß dann noch die ganzen Schlauberger, die vorwurfsvoll die “Um-den-Lokführer-tut’s-mir-leid” oder die “Die-armen-Rettungskräfte”-Nummer geben.
Ja, dieser Enke, so eine egoistische Drecksau. Hätte sich doch wenigstens mal in Genf in eine Wanne legen können. Oder vielleicht gleich in einen Sarg. Aber frisch geduscht, bitte.
Was glaubt ihr eigentlich, was Depressionen sind? Irgendwas auf einer Skala von “Ach, muß ja” bis “Och, nicht so mein Tag heute”? Da trinkt man mal ein Gläschen Wein, und dann geht’s schon wieder?
Anke hat vollkommen Recht:
Dass die Leute auch nicht ein bisschen rücksichtsvoller sterben können.
Fresse, Idiotenbande.