Mein schönster Hardwarefehler

Hardware macht hin und wieder nicht so ganz das, was sie soll. Mal wird sie nicht erkannt, mal verträgt sie sich nicht mit der, die bereits installiert ist, und manchmal ist sie schlicht und einfach von Anfang an kaputt. Oder es ist der falsche Treiber installiert. Oder sie steckt nicht richtig im Slot. Oder sonstwas.

Früher war das übrigens alles noch viel schlimmer als heute. Damals gab es noch keinen USB-Standard, und man mußte teilweise vor dem Anschließen der Hardware gucken, welche IRQs (das könnt ihr dann ja später mal nachlesen) bereits belegt waren und die neue Hardware mit fisseligen Jumpern (das auch) auf den noch freien IRQ einstellen.

Das war so etwa 1995.

Zu der Zeit, vielleicht ein paar Jahre später, begab es sich auch, daß ich meinen mit Abstand coolsten Hardwarefehler erleben durfte.

Ich hatte als Auszubildender kaum Kohle, und so konnte ich mir einen neuen PC mit USB-Anschlüssen logischerweise nicht leisten. Mein Rechner war aus alten LeichenteilenHardwareteilen zusammengeschraubt, auf dem Towergehäuse stand fett “GOLIATH” (kein Scheiß), und das Ding war tatsächlich in etwa so elegant wie Frankensteins Kreatur. Auf ihm lief irgendeine Windows95-Version, und wenn man ihn eingeschaltet hat, dann wurde es ganz kurz etwas dunkler in der Wohnung.

Eines Abends hatte ich mir vom Kiosk aus Langeweile eine der zahlreichen PC-Zeitschriften gekauft, in der eine Heft-CD-ROM beigelegt war. Darauf waren die “ultimativen Profi-Tools” um auch “das letzte aus Ihrem PC herauszuholen”. Und wer wollte das nicht?

Ich bereitete mich also auf eine lange Rechnertuning-Nacht vor, legte die CD ein, und es passierte – nichts. Das CD-ROM-Laufwerk drehte sich nichtmal. Komisch. Naja, Windows95 hatte das manchmal, also drückte ich wieder auf den Eject-Knopf, die Schublade ging wieder auf, nochmal 5 Sekunden warten, wieder reinschieben.

Nichts. Mal den Windows Explorer öffnen. Da – sobald ich die Maus bewegte, lief das CD-ROM-Laufwerk an.

Der Explorer war also mittlerweile geöffnet, die CD wurde angezeigt, Doppelklick, start.exe aufrufen. Warten. Nichts mehr. Nochmal doppelklicken? Na gut, versuchen wir’s mal.

Doch da – wieder lief das CD-ROM-Laufwerk an, sobald ich die Maus bewegte. Maus anhalten. Zack – das Laufwerk blieb stehen. Wieder bewegen. Weiter geht’s.

Ich hatte also nun einen PC, an dem sich das CD-ROM-Laufwerk nur dann drehte, wenn ich die Maus bewegte. Cool. Ich rührte ein wenig mit der Maus, und die Übersicht der Heft-CD öffnete sich.

Der Fehler war also erkannt. Und der Workaround war auch gleich gefunden. Problem gelöst. So wird’s gemacht. Profiarbeit. Scheiß auf die Heft-CD.

Sicher, das sieht total bekloppt aus, wenn jemand vor seinem Rechner sitzt und während einer 10-minütigen Spieleinstallation die ganze Zeit wie ein Geistesgestörter mit der Maus auf dem Tisch im Kreis herumrührt.

Andererseits: Funktioniert doch.

Mit diesem Fehler kam ich monatelang bestens zurecht, bis ich dann doch genug Geld zusammengespart hatte, um mir was Aktuelles aus dem Computerladen in der Innenstadt zu kaufen.

Aber das Rühren mit der Maus mache ich heute noch manchmal, wenn eines der Laufwerke nicht sofort anspringt.

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