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Michigan man moves massive blocks in his backyard using simple contraptions
Ich weiß nicht mehr, woher dieser Link kam, vermutlich war es Twitter, aber ich wurde gestern auf eine Aktion des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV) aufmerksam gemacht.
Dieser hat eine Broschüre zum Thema "Computerspielsucht" (PDF) herausgegeben, die er auf seiner Webseite in einer Unterrubrik zum Download anbietet.
Da sitzt man nun, als leidgeprüfter Blogger, Pirat, ein bißchen Gamer aber vor allem Netzbürger, lädt sich die Broschüre des ausgerechnet Bayerischen und dann auch noch Lehrerinnen- und Lehrerverbands herunter und erwartet das Schlimmste: Mindestens auf jeder Seite einmal das Wort "Killerspiele", auf jeden Fall jedoch irgendwas mit Verrohung, Anstiftung zu Amokläufen und überhaupt jeder Menge rechtsfreiem Raum. CSU-Speak eben.
Und was macht der BLLV?
Stellt eine Broschüre her, in der überraschend sachlich, fundiert und ausgewogen an das Problem herangegangen wird, daß Kinder und Jugendliche zum Teil mehrere Stunden täglich vor dem Rechner sitzen und sich und ihre Umwelt vernachlässigen:
Information vor Panik
Computerspiele sind heute Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern, eher werden sie eine noch größere Rolle einnehmen. Es gilt nicht, diese Form der Unterhaltung rundweg zu verdammen oder gar zu verbieten. Dennoch müssen Eltern und Lehrer wachsam sein und diese Gefahr erkennen und das in ihrem Rahmen Mögliche tun, um Computerspielsucht bei ihren Kindern zu verhindern. Denn das Informationsdefizit von Erwachsenen ist der beste Nährboden, auf dem Computersucht gedeihen kann.
Der Begriff "Killerspiele" fällt in der Broschüre nicht ein einziges Mal.
Und auch beim Thema "Gewalt und Computerspiele" beweist der BLLV durchaus Augenmaß:
Häufig werden Computerspiele in den Medien in Verbindung mit Gewalttaten wie Amokläufen erwähnt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien zum Zusammenhang von Gewalttätigkeit und dem Konsum von Computerspielen, die häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Zwar können in Einzelfällen Computerspiele zu erhöhter Gewaltbereitschaft beitragen. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall.
Zum Beispiel Amokläufe mit exzessivem Computerspielen zu begründen, stellt eine grobe Vereinfachung dieser Gewaltausbrüche dar.
Das hätte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet.
Möglicherweise hat die Ablösung des vorherigen BLLV-Präsidenten Albin Dannhäuser durch Klaus Wenzel, der im Mai 2007 dessen Nachfolger wurde, damit zu tun. Durchsucht man nämlich die Internetpräsenz des BLLV nach dem Begriff "Killerspiele", so findet man noch verschiedene Äußerungen Dannhäusers, unter anderem diese Forderung:
Politiker müssten endlich handeln, Killerspiele verbieten und Schüler wie Eltern mehr unterstützen.
Es sieht ganz so aus, als habe sich mit der Übernahme des Präsidentenamtes durch Wenzel auch ein Wandel hin zur Vernunft vollzogen.
Es wäre zu begrüßen, wenn sich nun endlich auch Entscheidungsträger in der Politik am BLLV ein Beispiel nähmen, sich sachlich mit dem Thema zu befassen und davon abließen, ihre voreingenommenen Ansichten in die Welt zu blasen.
Die Kanzlerin vertraue dem Minister, mehr sagt sie nicht dazu. Sie verweigert die Aussage. Das sieht nicht gerade souverän aus, eher ertappt. Man merkt, daß sie solche Fragen nicht gewöhnt ist. Der Mann wird ihr vermutlich auch nie wieder eine Frage stellen dürfen. Wenn schon einsilbig und schmallippig, so denke ich mir, dann doch besser mit der gar nicht so dummen Formulierung von Guido Westerwelle: “Das ist Deutschland hier”. An dieser Stelle hätte es gepaßt.
Unbedingt lesenswert: Feynsinn » Wo Korruption anfängt
Also. Ich muß da mal was sagen.
Aaron Koenig, Mitglied des Bundesvorstandes der Piratenpartei, hat neulich gebloggt. Über Thilo Sarrazin und Integration. Dabei hat er meines Erachtens mehrere Fehler gemacht.
Er hat Sarrazin "zugute gehalten", eine Debatte angestoßen zu haben, die man führen müsse. Ob man das als Dank auffassen kann, wie es Pantoffelpunk darstellt, oder ob es nur eine von mehreren ungeschickten Formulierungen war, darüber lässt sich sicher diskutieren.
Koenig hat nach meiner Ansicht Recht, wenn er schreibt: "Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland können nicht Abstammung und Hautfarbe sein, sondern nur ein gemeinsames Wertesystem. Dazu gehört ein klares Bekenntnis zur Demokratie, zur Meinungsfreiheit, zur Gleichberechtigung der Geschlechter und zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen und sexuell anders Orientierten."
Ja, völlig richtig. Nur: Wer stellt diese Werte auf? Die Konservativen? Die Linke? Die Kirche?
Koenigs Fehlleistung offenbart sich schließlich im letzten Satz: "Auch wer aus Kulturen stammt, in denen diese Werte keine große Rolle spielen, muss sie annehmen und verinnerlichen, um hier dauerhaft leben zu können."
Koenig suggeriert: Es gibt auf der Welt Gegenden, in denen diese Werte nichts zählen. Ich nehme nicht an, daß er damit den Vatikan oder andere katholische Hochburgen meint, obwohl das naheliegend wäre. Es handelt sich bei Koenig wohl um diese fiese Ecken der Welt, mit der auch von der Leyen immer hausieren geht: Länder, in denen Recht und Gesetz nicht gelten und gegen deren Einfluß wir uns hier im friedliebenden und zivilisierten Deutschland wehren müssen, um zu verhindern, daß sich "Stadtteile mit hoher Einwandererdichte in „No-Go-Areas“ verwandeln".
Vielleicht sollte er sich mal eine Weile Gedanken über Ursache und Wirkung machen. Sich überlegen, warum Menschen mit dunkler Hautfarbe viel häufiger Bewerbungen schreiben müssen, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Warum so wenige Türken in Hamburg-Blankenese wohnen. Vielleicht sollte er auch erwähnen, daß es Politiker wie Sarrazin waren, die den Gastarbeitern, die ja sicher bald wieder nach Hause gehen würden, mit einem Stempel im Pass vorgeschrieben haben, in welchen Berliner Stadtteil sie hinziehen durften.
Hat er aber nicht.
Das alles kann man nun scheiße finden, klar. Man kann, nein, man muß darüber diskutieren. Man muß auch ein Vorstandsmitglied zurückpfeifen.
Oder man verhält sich wie der Häuptlingssohn Pepe aus "Asterix in Spanien", der so lange die Luft angehalten hat, bis er endlich seinen Willen bekam.
In diesem Fall sind es Pantoffelpunk und Wolfgang Dudda, die beide verkündeten, ihre Mitgliedschaft bei den Piraten ruhen zu lassen, so lange Aaron Koenig noch Mitglied des Vorstands ist.
[Korrektur: Wolfgang Dudda hat dieses Ultimatum so tatsächlich nicht wörtlich gestellt. Ich habe seine Aussage "Vom ‘entschlossenen’ Umgang mit dieser Äußerung mache ich wie viele andere Piraten meinen Verbleib in der Partei abhängig" und die nachfolgende Ankündigung, seine Mitgliedschaft ruhen zu lassen, offenbar fehlinterpretiert und entschuldige mich dafür. Eine ausführlichere Stellungnahme hat Wolfgang in seinem Blog veröffentlicht.]
Was ist das für eine politische Kultur geworden, in der man sich bei jedem Anzeichen von Konflikt in die Brust wirft, "Ich streike!" ruft und offenbar ernsthaft erwartet, daß sich so Mehrheiten für die eigene Meinung finden lassen?
Pantoffelpunk setzt dem auch noch die Krone auf, indem er Koenig auffordert, daß der doch wenigstens sein St.-Pauli-Shirt ausziehen solle, als wenn das irgendein politisches Statement begründen würde.
Wohlgemerkt, "wenigstens".
Was nichts anderes heißt, als: "Solange ich meine Hände reinwaschen kann, indem ich im Gegensatz zu dir mit politisch korrektem St.-Pauli-Shirt rumlaufen darf, wie es nur Menschen mit wahrer Gesinnung tun, ist alles ok."
Ist es aber nicht.
Es ist Bullshit. Weil man mit Symbolen nichts bewegt.
Koenig selbst macht nun allerdings auch nicht gerade den Eindruck, in irgendeiner Form weiterhin ernstgenommen werden zu wollen.
Anstatt eine offene Diskussion anzustreben, zieht er sich schmollend in die Ecke zurück und haut an diesem Wochenende vollständig durchgeknallten Mumpitz heraus: Die Linken sind alle voller Hass, und wir Piraten sind die allergeilsten. Schon allein, weil sich Piraten immer an die Netiquette halten und sachlich diskutieren. Und wer das nicht tut, kann kein Pirat sein.
Er schreibt, daß einige Journalisten ("besonders aus dem linken Spektrum") sich bei ihm über den Umgangston von Piraten in Foren und auf Twitter beschwert haben.
Das kann er jedoch ganz souverän kontern: Das waren nämlich gar keine echten Piraten sondern vermutlich verirrte Linke, die ohnehin bald nicht mehr in unserer Partei Mitglied sein werden. Weil wir nämlich aus der Nerd- und Hackerszene kommen. Und die war schon immer bekannt für ihre sachlich-konstruktive Diskussionskultur, weiß man ja.
Wenn das so ist, daß mit dem Piratsein eine automatische Heiligsprechung einhergeht, bin ich mal gespannt, was auf meinem Mitgliedsausweis draufstehen wird. Vermutlich habe ich dann bereits einen Ordensnamen. "St. Laurentius" möglicherweise. Muß ich halt nur darauf achten, nicht links zu werden, weil ich dann plötzlich hasserfüllt sein werde. Und dann darf ich nicht mehr mitmachen.
Jetzt mal ohne Scheiß, Aaron: Was ist das für ein esoterischer Blödsinn?
Wenn man nicht in politische Lager wie links oder rechts eingeordnet werden möchte, bitte, das kann ich verstehen. Aber dann einen derart anbiedernden Schmonz von sich zu geben, um es zumindest ein paar Leuten aus den eigenen Reihen rechtzumachen: Das ist mehr als peinlich, vor allem, wenn man – wie Pantoffelpunk, Dudda und ich übrigens auch – gerade mal seit Sommer 2009 Parteimitglied ist.
Natürlich bleibe ich weiterhin aktiver Pirat. Und das lasse ich mir weder von denen wegnehmen, die statt zu diskutieren lieber die Luft anhalten oder die anstatt selber nachzudenken alles nachbrabbeln, was ihnen ihre konservativen Vorbilder vor die Füße werfen.
Denn am Ende, wenn man das ganze eloquente Angepisstsein weglässt, bleibt nur noch Trotz.
Und ich mache lieber Politik.
Der niederländische Journalist Rob Savelberg vom "Telegraaf" aus Amsterdam stellt Angela Merkel eine gute Frage.
Interessant ist dabei die Reaktion Seehofers. Erst grinst er debil, dann wartet er Merkels Anwort ab, warum sie Schäuble vertraue, unsere Finanzen kompetent zu verwalten: "Weil diese Person mein Vertrauen hat." Warum? Darum! Ach, so.
Und Seehofer: Nickt und dreht sich weg. Mutti hat gesprochen, jetzt halt mal schön den Rand, kleiner Holländer. Und was macht der? Fragt nochmal nach. Da guckt der Seehofer aber böse.
Als ein paar Freunde und ich uns neulich im kleinen Kreis über das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Nation unterhielten und inwiefern man sich mit seinem Heimatland identifiziere, sagte ich sinngemäß, daß ich mich kulturell wahrscheinlich mehr mit den Niederlanden verbunden fühle, als beispielsweise mit Bayern.
Ich würde das an dieser Stelle gerne nochmal unterstreichen.
Es gibt sie noch, die kleinen, erhellenden Tweets im Leben.
Heute Morgen twitterte1 @flusskiesel2:
Nur, um eine Minute später zu resignieren:
So schnell kann's gehen.
___Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich es wirklich tun soll.
Heute war es soweit: Ich habe mein Titanic-Abo gekündigt.
Ich weiß nicht, ob es am neuen Chefredakteur lag, aber die Titanic hat für mich schon seit längerem immer mehr von ihrem Witz verloren. Waren schon seit einiger Zeit die Ausgaben immer langweiliger, so hatten sie doch immer noch zwei oder drei richtige Kracher dabei, über die ich zum Teil laut lachen mußte.
Doch selbst das vermisse ich mittlerweile.
Vielleicht liegt's auch an mir, aber die letzten Ausgaben habe ich nur noch lustlos überblättert. Irgendwann hatte ich den Eindruck, die Titanic bestehe nur noch aus Nonsens (allein die unsägliche "Partner Titanic"-Rubrik), der mit zotigen Pimmel- und Tittenwitzchen aufgefüllt wurde. Nicht einmal mehr die Texte von Max Goldt haben mich noch besonders interessiert.
Die einzigen Rubriken, die ich tatsächlich noch jedesmal komplett gelesen habe, waren "Briefe an die Leser", "Vom Fachmann für Kenner" und die Humorkritik. Alle drei erscheinen jedoch auch immer online, und so habe ich mich – wenn auch schweren Herzens – entschieden, das Abo vorerst zu kündigen.
Muß ja nicht für immer sein.
Aber es war einfach die Luft raus.
P.S.: Ich bitte übrigens um Beachtung der Tatsache, daß ich einen Text über die Kündigung meines "Titanic"-Abos geschrieben habe, ohne Metaphern wie "gesunken", "gekentert" oder "in schwere Gewässer geraten" verwendet zu haben. Wenn sich daran mal bitte Autoren ein Beispiel nehmen könnten, die über die Piratenpartei berichten? Danke.
Die Spitalstiftung Konstanz kündigt einer langjährigen Mitarbeiterin, weil sie unberechtigterweise sechs Maultaschen gegessen hat, die übriggeblieben waren und ohnehin im Müll gelandet wären.
Und dieses Unternehmen beruft sich auf der eigenen Homepage ernsthaft auf Menschlichkeit und Nächstenliebe.
20:45 Uhr im eher alternativen Café.
Wir sind 5 Piraten an einem großen Tisch und besprechen in der "AG Gründung" das Vorgehen für eine Verbandsgründung, die zukünftige Satzung wird durchgearbeitet, Termine gesucht, mögliche Räumlichkeiten ausgewählt.
Am Nachbartisch sitzen 4 Gäste, alle etwa um die 50 Jahre alt, auch dort wird über Politik diskutiert, das Stichwort "Europaparlament" fällt hin und wieder.
Plötzlich steht einer von ihnen auf, kommt an unseren Tisch und fragt: "Seid ihr die Piraten?"
"Äh, ja?"
Er legt 20 Euro auf unseren Tisch und sagt: "Hier, ich geb 'ne Runde aus. Euch finde ich gut, ich hab euch gewählt."