Falls jemand noch nie davon gehört hat: Geocaching ist eine Art Schnitzeljagd, bei der man mit einem GPS-Empfänger losgeht und mittels Längen- und Breitengradangaben kleine Behälter sucht, die zuvor von anderen versteckt wurden. Findet man so einen Cache, dann trägt man sich in ein darin enthaltenes Logbuch ein, Gegenstände aus dem Cache-Behälter können entnommen werden, aber nur, wenn man etwas höherwertiges hineinlegt. (Da es sich dabei aber meist ohnehin um Dinge handelt, die man genausogut beim Schrottwichteln verschenken könnte, darf man das vielleicht nicht zu genau nehmen.)
Zwar interessierte ich mich schon seit längerem dafür, aber da ich noch das iPhone der ersten Generation besitze – ohne GPS – und mein Navi dafür nicht so richtig geeignet schien, habe ich das immer wieder verworfen. Zufällig bekam ich jedoch neulich mit, daß bei den Piraten Hameln einige dabei sind, die das bereits betreiben, und so begann mein Interesse daran wieder aufzuflammen. Schließlich entdeckte ich dann auch noch, daß mein Navigationsgerät, ein billiges Sonderangebot vom MediaMarkt, auch in der Lage ist, eingegebene Koordinaten anzusteuern. Na gut, dann kann man's ja vielleicht doch mal probieren.
Und so machte ich mich vor ein paar Tagen im Urlaub an der Ostsee auf den Weg, meinen ersten Cache zu finden. Meine Freundin war gleich begeistert davon, immerhin ging ich freiwillig spazieren, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Sie war es dann auch, die das Versteck in einem Baum nach einigem Suchen fand, und ziemlich schnell war klar: Das machen wir jetzt öfter.
Das Navi geriet jedoch recht bald an seine Grenzen, das ist für solche Aktionen einfach zu ungenau. Daher irrten wir auf dem Rückweg noch eine Weile durch Kiel, bis wir einen Segelausrüster fanden, der geeignete GPS-Geräte verkaufte. Die Entscheidung fiel angesichts des Preises bald auf ein Garmin eTrex H, für unter 100 Euro ist das Risiko des Fehlkaufs nicht so groß, falls wir feststellen sollten, daß das mit dem Geocachen doch auf Dauer nicht so unser Ding ist.
Heute ging's also mit neuem Equipment los, und so fanden wir zunächst einen recht schwierigen Cache, der mir jedoch bestätigte, daß meine GoreTex-Schuhe tatsächlich wasserdicht sind. Kurz darauf fanden wir einen recht einfachen, so daß wir uns einigten: Einen suchen wir noch.
Gefunden haben wir dann allerdings einen älteren Herren, der mit Schrittgeschwindigkeit im Elektrorollstuhl auf der B83 entlangschlich.
Das kam uns dann irgendwie merkwürdig vor, und so riefen wir die Polizei, entschlossen uns aber trotzdem dazu, sicherheitshalber nochmal umzudrehen, doch da stand der Opa bereits an der Notrufsäule. Es stellte sich dann heraus, daß er seine Reisegruppe verloren hatte und schonmal vorausgefahren war. Im elektrischen Krankenfahrstuhl. Mitten auf der Bundesstraße.
Ein erneuter Anruf bei der Polizei bestätigte jedoch: Seine Reisegruppe wäre bereits informiert, die würde ihn gleich einsammeln. Zur Sicherheit blieben wir dann aber noch bei ihm, bis er abgeholt wurde. So einen verwirrten Eindruck machte der Mann eigentlich gar nicht, immerhin wußte er genau, wo er war, nur sein Sinn für die Gefährlichkeit der Situation schien ihm etwas abhanden gekommen zu sein.
Bevor dann aber am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen wäre: "Rentner (73) von Auto erfaßt", hielten wir es für besser, mit ihm dort zu warten. Unsere Befürchtung war, daß er sich aus Ungeduld wieder in seinen Elektrorolli schwingt und weiter die B83 entlangeiert, bis die Akkus leer sind.
Der Reisebus kam allerdings bald vorbei, und so hatten wir zwar keinen Cache mehr gefunden, aber das war uns dann auch egal.
Das hat durchaus Potential: Spazierengehen für meine Freundin und GPS-Technikschnickschnack für mich. Ich schätze, wir ziehen bald wieder los.