Bei heise und bei Spiegel Online wird heute darüber nachgedacht, ob Twitter möglicherweise ein Problem bei der Bundestagswahl im September werden könnte.
Wie die Wahl des Bundespräsidenten bereits gezeigt hat, ist Twitter prädestiniert dafür, Informationen vorzeitig in die Öffentlichkeit zu entlassen. Das allerdings wäre problematisch bei der Bundestagswahl, da die Wähler beim Verlassen des Wahllokals gefragt werden, was sie denn gewählt haben, um möglichst schnell nach Schließung der Wahllokale bereits ungefähre Ergebnisse zu haben. Diese Befragungen werden Exit Polls genannt.
Nun werden den Parteien diese Exit Polls bereits am Nachmittag mitgeteilt, während die Wahllokale noch geöffnet haben. Es ist jedoch zu befürchten, daß es immer irgendwelche Vollpfosten gibt, die sich in den Vordergrund drängen wollen und diese Exit Polls vorab per Twitter veröffentlichen.
Das würde jedoch ggf. die Wahl beeinflussen, da die Wähler, mit diesem Vorwissen ausgestattet, dann möglicherweise anders abstimmen.
Dieter Wiefelspütz, bisher durchaus für unüberlegte Schnellschüsse bekannt, denkt daher bereits über ein Verbot der Wählerbefragungen nach, woraufhin einige Twitterer auch mal wieder reflexartig auf ihn einprügeln, daß er Twitter während der Wahl verbieten wolle.
Was er jedoch überhaupt nicht gesagt hat.
Er fordert völlig zu Recht, die Exit Polls zu unterlassen, und da kann ich ihm eigentlich nur beipflichten: Wer braucht schon um 18:02 Uhr am Wahlabend irgendwelche aus der Luft gegriffenen Umfrageergebnisse, wenn um 18:25 Uhr ohnehin bereits die ersten Hochrechnungen vorliegen?
Richtig, keine Sau.







Die Hochrechnungen um 18:25 sind aber immer ziemlich scheiße, wohingegen die Exit-Polls ein gutes Ergebnis liefern.
Und schon bisher konnte jeder, der sich halbwegs dafür interessiert hat die Zahlen schon vor 18:00 Uhr erfahren.
Und ich bin bereit zu wetten, dass sobald alle sagen, dass man Umfragen ja kaum verbieten könne, der Vorschlag kommen wird am Wahltag einfach Twitter zu sperren.
Dir ist schon klar, dass Exit Polls das wiederspiegeln sollen, was der Bürger angekreuzt hat, während die Hochrechnungen das wiederspiegeln, was ausgezählt wurde? Ist dort ein gravierendes Mißverhältnis zu erkennen, kann das auf Wahlbetrug hindeuten. Nicht das Wahlbetrug sehr wahrscheinlich ist in Deutschland, aber jede zusätzliche Sicherung dagegen sollte begrüßt werden.
Die Frage sollte nicht sein "Wozu braucht man Exit Polls?", sondern "Warum müssen die Parteien die Ergebnisse haben, bevor die Wahllokale geschlossen werden?"
[...] ja heiter werden. SpOn schreibt über mögliche Wahlmanipulationen durch getwitterte Ergebnisse von Exit Polls. Via Internet könnten dann Unentschlossene mobilisiert [...]
@Max: Hm, da ist was dran, stimmt.
@tokmitstock: Deinem letzten Absatz schließe ich mich ohne Vorbehalte an.
@tokmitstock:
Recht hast Du!
Das ist doch der viel einfachere Weg! Oder gibt es ein trifftigen Grund, weswegen, die das wissen müssen?
@tokmitstock:
Ja, die Umfragen sind aussagekräftiger als die ersten Hochrechnungen. Warum? Ganz einfach.
Umfragen werden in verschiedenen Wahllokalen (verteilt nach grösse, geographische lage, ….. usw) gemacht.
Die erste Hochrechnung dagegen, kommt von Wahllokalen, die sich mindestens in einem, wenn nicht mehreren Merkmalen ähneln…. und darum sind die Ergebnisse von dort nicht repräsentativ.
Ich verstehe die Sorge nicht, dass der Wähler durch die Information, welche Partei wie viel Prozent erreicht haben könnte, eine andere Wahlentscheidung treffen sollte als sonst. Die Entscheidung, wen ich wähle, fällt doch schon viel früher und nicht erst am Wahlabend. Und selbst wenn jemand seine Entscheidung daraufhin fällt. So wird der Wähler von vornherein schon bestimmte Wahlentscheidungen ausgeschlossen haben. Jedenfalls wird durch die Erkenntnis kein Druck ausgeübt, wodurch die Wahlen immer noch frei bleiben. Und die Wählermobilisation kann ja nun wirklich nichts schlechtes sein.
Ich kann die Aufregung darüber auch nicht verstehen. Bisher wird Twitter in Deutschland doch kaum genutzt. Im Gegensatz zu den USA ist das verschwindend gering. Das Ergebnis wird dadurch nicht verfälscht. Und wie Michael schont meinte, der Großteil der Wähler wird seine Wahl schon vorher getroffen haben und dadurch nicht beeinflussen lassen.