"Das Leben ist keine Waldorfschule" – Mischa-Sarim Vérollet

Mischa-Sarim Vérollet ist Poetry Slammer und nicht nur ein sehr erfolgreicher, sondern auch ein sehr netter – was ihn von den meisten Poetry Slammern übrigens nicht sehr unterscheidet, so richtige Arschlöcher sind da eigentlich nicht viele drunter. An dieser Stelle möchte ich dann auch gleich mal der Humorkritik in der April-Ausgabe der Titanic widersprechen, in der es heißt, "die Regeln der Branche sind höchst arkane". "Arkan" bedeutet so viel wie "geheimhaltend" (mußte ich auch erst nachschlagen), und das ist nun wirklich völliger Quatsch. Jeder darf mitmachen, und wer gute Texte schreibt, gewinnt. So einfach ist das.

Vérollet ist einer von den guten, und in seinem Buch "Das Leben ist keine Waldorfschule" hat er nun einige seiner bekanntesten Texte veröffentlicht, die er sonst auf der Bühne vorträgt.

Und genau das ist der Grund, warum ich mich mit der Rezension für dieses Buch so schwer tue.

Die Geschichten sind allesamt ausgesprochen unterhaltsam, was auch schon der gesamte Anspruch ist, den Vérollet an seine Texte stellt. Daran ist nichts Verwerfliches, mir sind lustig erzählte Alltagsgeschichten allemal lieber als kunstvolles Geschwafel. Die Erzählungen sind teilweise vollkommen absurd, teilweise aber auch durchaus aus dem Leben gegriffen und voller Selbstironie.

Aber. (Und jetzt kommt das große Aber, das man dem Buch eigentlich gar nicht anlasten kann.)

Ich habe fast alle Geschichten schon einmal live auf der Bühne gehört, einige sogar mehrfach. Ich weiß genau, wie er die einzelnen Passagen vorliest, wie er sie betont und wie er sich dabei bewegt – er wackelt dabei übrigens immer ziemlich viel hin und her.

Und das macht es für mich fast unmöglich, die Geschichten einfach als Geschichten zu lesen, da ich immer auch die Inszenierung im Kopf habe. Das ist ungefähr so, als würde man sich erst einen Film anschauen und danach dann die Romanvorlage dazu lesen. Die Fantasie ist dahin, und man hat ständig die Gesichter der Schauspieler vor Augen.

Ich hätte gerne eine unvoreingenommene und weniger subjektive Rezension geschrieben, zumal mir das Buch von Mischa extra dafür geschenkt wurde. Dafür nochmal vielen Dank. Aber ich hab's aus erwähnten Gründen nicht hinbekommen.

Das Buch kann nichts dafür, und ich bin mir sicher, daß die Leser, die seine Geschichten noch nicht von diversen Poetry Slams kennen, daran viel Freude haben werden.

Ein Tip: Wer's einrichten kann, sollte sich das Ganze einfach mal live anschauen, das garantiert auf jeden Fall einen lustigen Abend. Und ob Ihr dann direkt das Buch kauft, könnt Ihr euch ja dann immer noch überlegen.