Die meisten Argumentationen für das bedingungslose Grundeinkommen zielen darauf, den Skeptikern ihre Zweifel zu nehmen. Finanzierbarkeit, Mißbrauchsmöglichkeit und Zusammenbruch des Leistungsprinzips sind wohl die häufigsten Gründe, die die Gegner des Grundeinkommens ins Feld führen.
Mir ist das zunächst auch passiert. "Das kann gar nicht funktionieren" ist das, was mir zuerst dabei durch den Kopf ging. Genau das hätte ich aber auch gesagt, wenn mir jemand vor 10 Jahren gesagt hätte, daß man heute ein Gerät in der Tasche hat, das man hervorziehen und damit das gesamte Wissen der Welt abrufen kann. Fragt euch mal selbst, für wie wahrscheinlich ihr es noch vor drei Jahren gehalten hättet, daß die USA einen schwarzen Präsidenten wählen.
Irgendwann fängt man an, sich näher mit einem Thema zu beschäftigen, genauer hinzusehen und fragt sich: Warum eigentlich nicht?
Warum sollte es nicht möglich sein, nahezu alle Steuerschlupflöcher mit einem Streich zu schließen? Warum sollte es nicht möglich sein, die Steuerlast von der Wertschöpfungskette auf das Endprodukt zu verlagern? (Denn nichts anderes geschieht dabei.) Wer kann so ein Grundeinkommen eigentlich mißbrauchen, wenn es ohnehin jedem zusteht? Wer etwas leisten kann und will, der wird auch weiterhin viel zurückbekommen. Die meisten von uns werden ihren Lebensstandard mit dem Grundeinkommen allein ohnehin nicht halten können. Mit dem Grundeinkommen allein kann man kein Auto bezahlen, keine Fernreisen und keine Mitgliedschaft im Golfclub.
Ein Grundeinkommen kann aber viel bewirken. Es kann den Jugendlichen, die jetzt jeden Tag belogen werden, daß sie sich nur tüchtig anstrengen müßten, und dann würden auch sie am Wohlstand beteiligt werden, obwohl jeder weiß, daß das nicht wahr ist, ihnen kann ein Grundeinkommen zumindest die Angst vor der Armut nehmen. Es kann Studenten helfen, das zu studieren, was ihrem Talent entspricht und nicht das, was den Studienkredit am schnellsten zurückzahlt oder was die Eltern unter Androhung, den finanziellen Geldhahn zuzudrehen, so bestimmt haben.
Gestern gingen zwei Meldungen fast gleichzeitig durch die Nachrichten: "Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder" und "Viele dieser Kinder leben in Armut, insbesondere diejenigen mit alleinerziehenden Eltern." Was wollen wir mit denen denn machen? Die Eltern zum Zusammenleben zwingen? Sie ihrem Schicksal überlassen?
Schaut euch mal in eurer Heimatstadt um und zählt die Leute, die ihr bei einem Gang durch die Innenstadt seht, von denen ihr schon vom ersten Anschein sagen würdet: "Der ist runter mit der Bereifung, den stellt keiner mehr ein."
Ist es denn in einer Wohlstandsgesellschaft wie unserer nicht beschämend, wenn Menschen unter freiem Himmel schlafen müssen? "Notleidenden soll ja auch geholfen werden," heißt es dann. Aber wer will denn schon beurteilen, wer leidet und wer nicht? Leidet ein Arbeitnehmer nicht auch, der eine wirklich gute Idee hat, sich selbständig zu machen, die er aber nicht verwirklicht, weil er Angst hat, er könnte scheitern?
Leidet eine Kassiererin im Drogerie-Discounter nicht auch, wenn sie nicht einmal auf die Toilette gehen kann, weil niemand da ist, der sie ablösen könnte? Leidet eine Krankenpflegehelferin, die abends noch im Solarium jobben muß, weil sonst das Geld nicht für die Miete reicht, nicht auch?
Würden Arbeitgeber so mit ihren Angestellten umspringen, wenn diese jederzeit sagen könnten: "Mit mir nicht!"?
Wer darauf antwortet, daß aber doch irgendeiner diese Arbeit machen muß, ist im Geiste immer noch ein Sklavenhalter. Denn er geht davon aus, daß es Menschen gibt, die keine bessere Behandlung "verdienen".
Wir würden heute überhaupt nicht von einem Datenschutzskandal bei der Deutschen Bahn sprechen, wenn die Mitarbeiter ohne Angst vor Kündigung und dem daraus folgenden sozialen Abstieg hätten sagen können: "Mit mir nicht!"
Wie viele Menschen würden sich immer noch von psychopathischen Vorgesetzten drangsalieren lassen, krank zur Arbeit kommen und heulend wieder nach Hause gehen, wenn sie zu ihrem Arbeitgeber sagen könnten: "Mit mir nicht!"?
Wir leisten uns einen Verteidigungshaushalt von 30 Milliarden Euro und sind nicht in der Lage, jedem in unserer Gesellschaft zumindest soviel zukommen zu lassen, daß er sich keine Sorgen vor Armut machen muß?






Warum sollte es nicht möglich sein, nahezu alle Steuerschlupflöcher mit einem Streich zu schließen? Warum sollte es nicht möglich sein, die Steuerlast von der Wertschöpfungskette auf das Endprodukt zu verlagern? (Denn nichts anderes geschieht dabei.)"
Auch ich befuerworte ein bedingungsloses Grundeinkommen und habe mich inzwischen entschieden, die aktuelle Petition trotz erheblicher Bedenken dem vorgeschlagenen Modell gegenueber mitzuzeichen. Bei naeherer Betrachtung zeigt sich, dass die geforderte "Steuerreform" eben nicht einfach eine Verlagerung von einem Ende der Wertschoepfungskette an das andere ist. Dieses Verfahren wuerde schwerwiegende Implikationen mit sich bringen, die zumindest von mir nicht gewollt waeren.
[...] darüber debattiert werden, wenn die Zahl der Unterzeichner die 50.000-Marke erreicht. Wer sich die hervorragenden Gedanken von Lars hierzu durchgelesen hat, wird mir zustimmen: Sollte auch nur einer unserer Volksvertreter diese Idee als [...]
Da kann ich Dir nur komplett zustimmen. Ich habe mir diselben Fragen gestellt, als ich mich in den letzten Tagen für dieses Thema interessiert habe.
Das "Warum eigentlich nicht?" kann ich nur so beantworten:
Die Entscheider, also die Personen und Unternehmen mit direktem Einfluß, ziehen klare Vorteile aus all dem, was das bedingungslose Grundeinkommen beheben würde. Da wären die Steuerschlupflöcher, die durch Existenzangst willenlosen Arbeitnehmer, Zugang zu Wissen und Bildung für alle Schichten, die Angst vor der Altersarmut und der dadurch generierte Zulauf zur privaten Vorsorge.
Die ablehende Haltung gegenüber einer gerechten Verteilung wird durch die ständige Verbreitung von Unwahrehiten auf andere Teile der Bevölkerung ausgeweitet.
Der Großteil der Bevölkerung würde aus vielen neuen, bisher gescheiterten Ideen einen Nutzen ziehen können. Trotzdem ist nur ein kleiner Teil überhaupt gewillt, sich die Ideen erst anzuhören und danach zu entscheiden. Lieber greift die Mehrheit auf bisher allgemein anerkannte Meinungen zurück. Politische und solziale Meinunen werden bei uns mittlerweile von Werbeagenturen entworfen und verbreitet. Und damit meine ich nicht die Medien, die zusätzlich im Auftrag der Entscheider oder durch diese manipuliert, ihren Teil dazu beitragen.
Dazu kommt ein Phenomän, was in den Internetforen schon pervertiert. Neue Ideen werden mit Gegenargumenten bombardiert. Die haarsträubendensten Argumente werden herangezogen. Gerne wird sich auch auf eine Beiläufigkeit gestürzt und das gesamte Thema mit hinunter gezogen. Wenn man den Verfasser der Idee noch lächerlich machen kann: umso besser.
Erklären kann ich mir dieses Phenomän nur damit, daß es viel einfacher ist, in einer (vermeintlichen) Diskussion nur die traditionelle Ansichten zu vertreten. Damit kennt man sich aus, kann sofort Wissen demonstrieren. Die alten Argumente beherrscht man eben. Bewährte Lösungen werden hochgehalten, ungeachten dessen, ob sie bei der Umsetzung der neuen Idee überhaupt noch benötigt werden. Inkompatibilität wird schnell aufgedeckt, wenn man durch die neue Idee die Abweichungen zum Althergebracheten schon aufgeschlüsselt präsentiert bekommt.
Ich möchte neue Ideen primär nach ihren Vorteilen bewerten sehen. Gerade wenn es, wie hier um Menschen geht, finde ich dieses Vorgehen besonders wichtig. Danach kann durchleuchtet werden, zu welchen Kosten (nicht nur monitär) diese Vorteile erreicht werden können. Ich behaupte, die Mehrheit hat in der jetzigen Situation viele unnötige Nachteile aufgrund Weniger in Kauf zu nehmen. Mit einer Umstellung würden sie im Summe geringer werden.
"Ich möchte neue Ideen primär nach ihren Vorteilen bewerten sehen. "
Sorry – aber das ist m.E. genauso unsinnig, wie das Gegenteil. Eine Bewertung, die ihren Namen verdienen soll, schliesst immer die Betrachtung und Wuerdigung aller erkennbaren und zugaenglichen Aspekte ein und waegt sie gegeneinander ab.
@Roger Beathacker: Ich glaube, wenn ich Andreas richtig verstanden habe, ist mit "primär" gemeint: "Laßt uns erstmal angucken, was uns das ganze am Ende bringen könnte. Und nicht erstmal aufzählen, was alles dagegen spricht."
Wenn Du Dir überlegst, Dir mal einen außergewöhnlichen Urlaub zu leisten, dann hast Du im Kopf erstmal eine bestimmte Vorstellung, was Dir das an Annehmlichkeiten bringen könnte: Erholung, tolle Erinnerungen, was weiß ich. Dann erst fängst Du an zu erwägen, was vielleicht dagegen spricht, überlegst Dir aber währenddessen, wie Du das Urlaubsziel trotzdem erreichen kannst.
In unserer Politik ist es häufig umgekehrt: Da wird erstmal überlegt, was alles für Hindernisse im Weg stehen, und am Ende kommt als Urlaub wieder mal nur dasselbe Haus im Schwarzwald heraus, wo man jedes Jahr hinfährt.
Lars hat gut verdeutlicht, wie ich es meinte.
Welche Technik wir z.B. alleine im Straßenverkehr entwickeln, damit Menschen möglichst geschützt werden, Anschnallgurte, Kopfstützen, Airbags … Kindersitze sind fast eine Wissenschaft für sich.
Als Konsequenz des Wunsches nach Schutz der Verkehrsteilnehmer, sind aus den ursprünglichen Nachteilen, dem Mehraufwand, sogar Geschäftsfelder entstanden.
Ich bin kein Fachmann, der die nationalökonomisch Belange überblicken kann. Deshalb werde ich mich hüten, über Finanzierungsmöglichkeiten nachzudenken. Unsere Politiker sind aber auch keine Fachleute, befüchte ich.
Geld genug ist da – es reicht ja auch jetzt schon fuer alle, wenn auch fuer etliche nur einigermassen. Da liegt also nicht das Problem. Das Problem liegt in der Frage, wie die vorhandenen Strukturen umzubilden sind. Und das ist sehr viel weniger einfach zu loesen als die rein monetaere Frage (die a priori als "geloest" gelten kann) es vermuten laesst.
[...] nachdem schon jeder darüber geschrieben hat (Johnny, Mspro und vor allem Lars), will ich gar nicht nerven, indem ich all das nochmal wiederhole, nur soviel: Ich bin Fan von [...]
Ich kann nicht besonders viel zu dem Thema sagen, da ich mich bisher noch nicht wirklich intensiv damit auseinander gesetzt habe, aber ich möchte dennoch einige Anmerkungen loswerden.
Natürlich ist es so, dass mit vielen Menschen übel mitgespielt wird, gerade auch von Arbeitgebern, keine Frage – und natürlich sagt niemand etwas, weil er Angst hat. Angst, seinen Job zu verlieren. Angst vor Hartz 4. Angst vor dem sozialen Abstieg, Angst davor, seine Familie nicht mehr ernähren zu können, das Haus/Auto/weissderhenker nicht mehr bezahlen zu können.
Von daher ist es natürlich eine sinnvolle Sache, jedem ein Grundeinkommen zu ermöglichen, von dem man würdevoller leben kann als von Hartz4.
Dagegen wird jedoch schon allein die Wirtschaftslobby stehen, die ja davon profitiert, dass kaum noch ein Angestellter oder Arbeiter sich traut, aufzumucken.
400,-Euro-Jobs und Minimaleinkünfte halten die Lohnkosten doch so schön klein.
Ein weiteres Thema ist natürlich die Finanzierung des ganzen Spaßes. Es ist natürlich durchaus möglich, dafür den Verteidigungshaushalt zu kürzen – aber (ich beziehe mich jetzt auf die im Artikel angeführten 30 Mrd. EUR) der Verteidigunsetat ist doch im Vergleich zu dem, was gerade den Banken hinten rein geschoben wird, ein Witz.
Ich denke, was wir uns hier ganz klar vor Augen halten sollten ist, dass es NICHT im Interesse der Leute ist, die davon profitieren, dass in Deutschland die große Existenzangst umgeht.
Doch diese Leute entscheiden (leider) maßgeblich über die Geschicke unseres wunderbaren Landes.
Viele werden beim Thema "Grundeinkommen" schreien "Kommunismus!" oder "Das hat doch in der DDR schon nicht funktioniert!", und ich wills nicht beschreien, aber ich halte es durchaus für möglich, dass da was Wahres dran ist.
Davon ab liegt die Macht doch nur noch bedingt beim Volke – viel mehr Macht liegt in den Lobbys, in denen unsere Politiker sitzen, in den Stammtischen, bei denen sie sitzen, und bei den "Vergünstigungen" die sie erhalten.
Welche Entscheidungskraft haben wir als Wähler denn noch? Rot oder Schwarz? Gelb oder Grün? Braun oder Grau?
Im Endeffekt untscheiden sich alle Parteien doch nur noch durch Marginalien.
Ich glaube jedenfalls nicht mehr daran, dass unseren Herren Politikern großartig was an unserem Land oder dem Wohle seiner Bevölkerung liegt.
Ich glaube, dass es unseren Politikern viel wichtiger ist, was sie persönlich in Ihrer Tasche haben. Es geht doch auch gar nicht mehr um persönliche Kompetenzen von Einzelnen – da werden Leute in Positionen gesetzt, von denen sie keine Ahnung haben, einfach weil die Partei einen Posten zu vergeben hat, und derjenige "gerade an der Reihe" war. Das sind zumindest meine Erfahrungen, die ich auf unserer Regionalen Politbühne erlebt hab. Und das bei mehreren Parteien mittlerweile.
Auf Bundesebene kann man, meiner Ansicht nach auch den meisten Politikern jedes Gefühl für den "normalen" Menschen getrost absprechen – sonst würde es Dinge wie Hartz4 nicht geben und nie gegeben haben.
Allein das ist für mich schon ein Zeichen dafür, dass ich Dinge wie ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden nicht mehr erleben werde.
Wie gesagt, ich hab mich aber auch nicht besonders eingehend mit der Materie auseinandergesetzt.
Jetzt dürft ihr meinen Post auseinandernehmen ;-)
@apo
Du solltest Dir mal den Film ansehen, den Lars ein paar Beiträge vorher verlinkt hat. Dort wird *eine* Möglichkeit der Finanzierung erläutert. Ich behaupte nicht, das diese genau so funktioniert, aber ich denke, man kann sehen, das es andere gerechte Wege für eine Finanzierung gibt, als einfach den Haushalt eines Resorts zu kürzen.
Komisch, das solziale Themen immer mit dem Kommunismus verglichen werden. Wenn unsere momentane Regierung die Banken verstaatlicht, ist das natürlich kein Kommunismus ;)
Nach Deiner Logik sollten wir keine Brote mehr backen und in Bäckereien verkaufen, weil das in der DDR schon nicht funktioniert hat. Ansonsten stimme ich dir zu.
ich weiß nicht. wo bleibt das der ansporn?
Wo ist er denn jetzt, wenn die meisten Hauptschüler direkt in die Erwerbslosigkeit gehen und die das vorher schon wissen?
Außerdem habe ich bereits geschrieben: Für Luxus wird man weiterhin arbeiten müssen.
ok, also parke ich die alle mit 1500 euro im abseits? lieber neue förderungsmöglichkeiten schaffen für einen bruchteil der gesamtsumme.
Du unterschätzt den Menschen. Man kann sie nicht parken, sondern nur eine begrenzte Zeit lang ablenken. Momentan sind eine Menge Leute dadurch abgelenkt, das sie am oder unter dem Existenzminimum leben müssen. Das wird sehr schlechte Folgen für die gesamte Gesellschaft haben. Je weniger sich der Mensch um seine Existenz sorgen muß, umso mehr kann er sich auf andere Bereiche, wie solziale Kontakte, Kultur und Produktion, konzentrieren. Das kommt dann allen zu gute.
@meistermochi: Das sagt doch überhaupt niemand.
Es ist doch so: Wenn du vorher schon weißt, daß du nur verlieren kannst, dann strengst du dich auch nicht an. Wozu auch? Es bringt ja nichts, du wirst immer am Arsch der Gesellschaft sein und dort auch bleiben, weil du mit Hartz4 da niemals rauskommen wirst.
Außerdem, das muß man einfach mal realistisch betrachten: Es gibt Leute, die sind intellektuell für das Berufsleben einfach komplett überfordert. Die kannst du fördern, in Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen stecken, bis der Arzt kommt, da wird nichts mehr von.
Die sollen dann Sklavenarbeit machen?
dann sag ich ganz klar, muss sich vor allem die kultur in diesem land ändern. wie teuer wird das alles eigentlich für den "normalen" arbeitnehmer? ich kann gegen so manches kaum noch anverdienen.
komplett ÜBERfordert?
@meistermochi: Bitte nimm dir die Zeit und schau dir mal den Film dazu an. Vielleicht am Wochenende.
Darin wird ganz deutlich erklärt, daß der Durchschnittsverdiener dadurch nicht belastet wird.
auf der anderen seite sind die auswirkungen auf preise und arbeitsmarkt kaum abzusehen.
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und dann ist da ja noch die weltanschauung. werden mit dem grundeinkommen ängste genommen und potentiale freigesetzt oder schaffen wir uns so ein schlaraffenland, in dem allen alles egal ist, hauptsache die auszahlung kommt pünktlich.
ich glaube bald, wem nicht mehr zu helfen ist, dem helfen auch 1500€ nicht mehr weiter. schließlich bleibt es am ende eine einstellungssache.
Laut Gapminder ist die "schlimme" Armut tatsächlich rückläufig – weltweit. Trotzdem kommt es mir so vor, als sei es (zumindest hier bei uns in Deutschland) immer noch in Mode, das Immer-Ärmer-Werden der Ärmsten zu beklagen.
Obwohl ich zwar der These nicht zustimme, die Ärmsten würden immer ärmer werden, finde ich, dass am Klagen an sich etwas dran ist. Es gibt schließlich immer noch zu viel Armut, auch wenn dieses Problem zur Zeit – meiner Meinung nach – immer weniger schlimm wird. Aber das ist die globale Sichtweise. In dieser Diskussion hier scheint es in erster Linie um Deutschland zu gehen. Und ich glaube durchaus, dass Deutschland zur Zeit eine (wenn auch seichte) wirtschaftliche Talfahrt erlebt. Obwohl es Jahr für Jahr immer weniger Obdachlose gibt, und auch die Anzahl der Verurteilungen wegen Körperverletzung rückläufig ist.
Es gibt sie aber immer noch in Deutschland, die Obdachlosen, die "gescheiterten Existenzen" und die zukunftslosen Jugendlichen. Ich glaube nicht, dass diesen Leuten allein durch das Ausstatten mit Geld geholfen wäre. Jeder Obdachlose hat die Möglichkeit, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Es gibt Heime; ich kenne auch jemanden, der der in so einer Einrichtung arbeitet.
Diese Leute sind nicht in der Lage, zu einem Amt zu gehen und dort ein Formular auszufüllen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Grundeinkommen ihnen helfen könnte. Diese Leute benötigen aktive Hilfe von anderen, besonders dafür ausgebildeten, Menschen.
Grundsätzlich gilt ähnliches für andere von der Armut betroffene Gruppen. Leider ist es ein Denkfehler, "Armut" mit "wenig Geld" gleichzusetzen. Im Umkehrschluß glaubt man dann, den Menschen Geld zu geben würde sie automatisch weniger arm machen. Das ist aber meiner Meinung nach nicht der Fall.
Außerdem fällt mir auf, dass in dieser Diskussion wieder einmal gewisse Stereotypen aufkommen – wenn auch nicht so krass wie in anderen Diskussionen, die ich erlebe. Da wird von "den Politikern", "dem Staat", "der Wirtschaftslobby" geschrieben, so als seien dies Gruppierungen mit eindeutiger Ausrichtung und planvollem Vorgehen. Direkt so, als würden wir von diesen Verschwörungen böswilliger Menschen dominiert. "Die Politiker" würden niemals ein Grundeinkommen einführen, weil "die Wirtschaftslobby" sich dagegen stellen würde. Und wenn man dann noch hinzufügt, dass die namenlosen Angehörigen dieser Gruppen unser Leben diktieren, hat man sich die pauschale Entschuldigung dafür konstruiert, dass man selbst nichts tut.
Dabei sind wir beileibe nicht auf irgend welche Politiker oder Lobbyisten angewiesen. Ich gehe mal davon aus, dass in diesem Forum auch einige besser Verdienende mitschreiben, und damit meine ich Leute, die mehr verdienen als der Durchschnitt. Diese Menschen sollten sich bewusst sein, dass ein Grundeinkommen für alle (oder ein Anheben des Hartz-IV-Satzes, oder vergleichbares) zunächst mal bedeuten würde, dass sie weniger Wert an ihrem eigenen Geld haben. Einfach gesagt: Wenn die unterdurchschnittlichen Verdiener mehr kriegen, dann kriegen die überdurchschnittlichen Verdiener weniger. Wer bereit ist, dieses Opfer zu bringen, kann es jederzeit freiwillig tun! Man braucht keinen Politiker als Mittelsmann, um sein Geld an andere zu verteilen.
Vielleicht meinen einige jetzt: "Klar, das könnte ich tun. Aber wenn ich allein das mache, dann ist das nur ein Tropfen auf den heissen Stein." – Stimmt. Aber man kann versuchen, andere zu überzeugen. Jeder kann einen Verein für sein Vorhaben gründen, oder einen Club oder eine Partei. ("Bildet Banden!") Wer zu faul dafür ist, der kann spenden. Es gibt genug Hilfswerke in Deutschland. Oder man besuche das Obdachlosenheim in der Nähe, die werden sich über eine regelmäßige monatliche Spende ebenfalls freuen. Einfach zum Heim gehen, Bankverbindung erfragen. Dann zur Bank, ein Dauerauftrag über zweihundert Euro monatlich ist schnell eingerichtet. Damit wäre einigen Menschen geholfen. Fünfhundert Euro sind natürlich noch besser. Vielleicht sogar *noch* besser wäre es, wenn man sich dort freiwillig zur Unterstützung meldet, natürlich ohne Aufwandsentschädigung.
Versteht mich nicht falsch, ich will niemanden zu sowas nötigen. Und ich kenne auch Gegenargumente gegen meine obigen Beispiele. Und ja, ich weiß auch, dass ich die Sache vereinfacht dargestellt habe. Trotzdem frage ich: Warum tut sowas kaum jemand? Ich denke, es ist derselbe Grund, warum auch kein Politiker Entscheidungen in dieser Richtung anstrebt. Irgendwie repräsentieren die Politiker in dieser Hinsicht doch die Meinung des Volkes. Politiker zu kritisieren ist okay, aber man sollte sich gleichzeitig auch mal an die eigene Nase fassen. Ganz so machtlos sind wir nämlich nicht; wir müssen nicht die gesamte Verantwortung auf die namenlosen Politiker und Lobbyisten abschieben. Grade dann, wenn wir ihnen die gesamte Verantwortung übergeben und von uns aus nichts mehr tun, müssen sie doch das Ruder übernehmen. Weil es sonst niemand täte.
Ich finde diese Denkweise wirklich sehr naiv: "Hey, schau her. Da habe ich einen tollen Aufsatz im Internet gefunden. Das gefällt mir, das müsste mal einer machen! Aber ich mache das auf gar keinen Fall selbst. Ich schreibe nur, dass ich das ganz toll finde. Und ich erwarte, dass irgend welche Politiker das dann aufgreifen und machen."
Dabei finde ich, dass bei vielen großartigen Ideen jemand dahintersteckt, der sich anfangs dafür begeistert hat und dann sehr, sehr, sehr viel persönliches Engagement in die Sache investiert hat. Das "One Laptop Per Child"-Programm beispielsweise: Der Urheber Nicholas Negroponte hat nicht etwa nur ein Posting im Internet darüber geschrieben, dass sowas eine tolle Idee wäre und dann von Politikern gefordert, dass die das bitte für ihn machen sollen. Mit dieser Denkweise hätte es das Programm niemals gegeben. Er hat viel harte Arbeit investiert, um das Projekt möglich zu machen.
Und so ist es nunmal leider bei allen tollen Dingen: Sie kosten Arbeit. Geld ist nur eine der wichtigen Komponenten. Leute mit Vision und Engagement kann man mit Geld nicht kaufen. Nicholas Negroponte hat es geschafft, viele Leute von seiner Idee zu begeistern, so dass Geld irgendwann gar nicht mehr das Hauptproblem war. Und wenn es ihm nicht gelungen wäre, andere zu begeistern, dann – ja, dann hätte das nicht an den doofen Politikern gelegen, oder an den verschwörerischen Lobbyisten. Sondern vielleicht daran, dass seine Idee doch nicht so gut gewesen wäre.
Ich finde, Du behandelst das Thema unangemessen.
Es gibt einige, denen die Grundeinkommen auch nicht hilft. Und? Sollen alle anderen positiven Effekte deshalb wegfallen?
Es gibt keine allumfassende Verschwörung. Getrieben wird ein gewisse Entwicklung allerdings von Lobbyisten, die bis in die Politik und die Medien vorgedrungen sind. Daraus ist ein System entstanden, was sich selbst erhalten kann.
Den Ansatz, das Geld selbst zu verteilen, finde ich sehr uneffektiv. Nur weil jemand gut in seinem Fach ist und deshlab gut verdient, oder sei es auch nur, weil er Glück hatte, eine bestimmte Position zu erreichen, heißt das nicht, das er ebenso eine Partei oder andere Organisation gründen und zum Erfolg führen kann. Und wenn er seine Zeit dessen widmet, kann er in der Regel auch nicht mehr sein Geld verdienen. Menschen, die etwas verändert haben, habe ich nie als einen von Nebenan empfunden. Immer hatte ich den Eindruck, es sind ganz besondere Menschen, die etwas leisten, was einfach nicht jeder kann.
Das, was Du hier als falschen Ansatz abtust, die Diskussion, ist der Ursprung von dem, was Du eigentlich erwartest. Nämlich, das jemand etwas selbst unternimmt. Ich hoffe auf eine oder mehrere dieser besonderen Menschen und kann nur meine Unterstützung anbieten. Mehr kann ich nicht leisten und muß mich auch nicht dafür schämen.
Ganz schlimm finde ich aber: "Und so ist es nunmal leider bei allen tollen Dingen: Sie kosten Arbeit." Dein Satz läßt vermuten, das nur Menschen, die das Tolle persönlich erreichen, gut und richtig handeln. Der Handwerker, der für mich ein Zimmer toll herrichtet, ist denmach gut. Was ist dann mit mir als Auftraggeber des Handwerkers? Was ist geleistet habe, um das Geld für seine Bezahlung zu verdienen, wird dabei überhaupt nicht gewertet. Wir sind eine Gemeinschaft mir einer Aufgabenteilung. Verschiedene Menschen machen verschiedene Dinge und tauschen. Solch eine pauschale Einteilung finde ich sehr überflüssig.
Die Diskussion hier, die Du für naiv hälst, ist genau das, was Du mit "Bildet Banden" vorschlägst.
@Andreas:
Okay, ich habe mich absichtlich provokant ausgedrückt. Ich habe nichts gegen das Grundeinkommen. Das wäre vermutlich sogar eine ganz gute Idee. Aber ich fand es schon recht unrealistisch, dies einerseits als Heilmittel für die Armut anzusehen, und dass andererseits in der Diskussion diese "Verschwörungstheorien" aufgetaucht sind.
Grundsätzlich würde ich spekulieren, dass es nach Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens den Ärmsten noch schlechter geht. Damit meine ich die, die zu unfähig/faul/depressiv/doof/belastet sind, um den Antrag auszufüllen oder ordnungsgemäße Dokumente vorzuzeigen. Es wäre ganz schön, das vorher anzudenken.
Aber grundsätzlich mag ich die Idee, den Leuten mehr Verantwortung für ihr eigenes Leben in die Hand zu drücken. Das wäre in meinen Augen genau das Richtige.
Zustimmung. Da war meine Aussage zu überzogen. Natürlich sind Diskussionen generell gut und sinnvoll.
Zumal mein Satz so auch grob falsch ist. Es gibt eine Menge toller Dinge, die keine Arbeit erfordern.
Ich wollte eigentlich nur aussagen: Der Ruf nach den Politikern ist nicht unbedingt der richtige Ansatz. Wenn es dann wie so oft heisst: "Ja, das ist die perfekte Idee. Ich hab sie vorgebracht, aber die Politiker, ja die! Setzen sie ja nicht um." – Dann höre ich dahinter in Klammern: "(Und darum ist es auch okay, dass ich nur meckere und sonst nichts tue.)"
Das klingt für mich sehr nach verschwendeter Zeit.
Super, lasst uns eine Bande bilden! Oder gibt es vielleicht schon eine? Einen Verein, an dem man teilnehmen kann?
@andreas:
der film läut leider nicht wirklich bei meiner wundervollen internetverbindung – schade eigentlich.
und – nicht falsch verstehen – nicht ich schrei "Kommunismus", aber ich geh davon aus, dass es genügend Menschen geben wird, die das für mich übernehmen ;-)
@madoc:
Nein, ich stelle keine Verschwörungstheorien auf. Das ist mir einerseits zu dumm, andererseits kann ichs nicht beweisen.
Aber es gibt eine Tatsache, die man wohl kaum leugnen kann- bei Wirtschaft, Lobbys (oder Lobbies?) und Politikern geht es doch im Grunde nur um ein paar sehr einfache Dinge.
Geld, Macht und die Vermehrung desselbigen.
Unser System nennt man nämlich Kapitalismus.
Da gehts um Kapital, wie der Name schon sagt.
Und Lobbys umgarnen unsere Politiker auch nicht, weil sie alle so nette Menschen sind und sich alle liebhaben. Hier geht´s um Einfluss. Einfluss auf das politische Geschehen in unserem schönen Land. Und dieser Einfluss wird von Menschen auf Menschen ausgeübt, die meines Erachtens keinerlei Bezug mehr zu einer finanziell schlecht gestellten Bevölkerung haben.
Wenn man genug Geld hat, ist´s schwer, sich Vorstellen zu können, wie man mit 350,- im Monat (über)leben kann/soll/muss – abgesehen von den Repressalien und der persönlichen Demütigung, die mit Hartz4 auf einen zukomm(t)en.
@topic:
Wie gesagt, bedingunsloses Grundeinkommen ist eine feine Sache, verhilft vielen Menschen zu mehr Sicherheit, Stabilität, weniger Angst vor der Zukunft und macht vielleicht auch mehr Mut, etwas anzufangen.
ABER: Gerade Menschen, die knapp über diesem Grundeinkommen verdienen, werden es sich zweimal überlegen, wirklich noch 160h/Monat zur Arbeit zu gehen, wo sie auch genau so gut zu Hause bleiben und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen können.
ABER: Was nützt das Grundeinkommen, wenn der Euro danach nur noch 30 Cent wert ist? Dann stehen die Leute wieder da wie jetzt – ein bisschen über dem Hartz4-Satz vielleicht, aber nicht signifikant. Da kommt mir so der Begriff "Inflation" in den Sinn.
Es ist natürlich eine ganz wunderbare Vorstellung, dass für jeden von ganz allein gesorgt ist – hat ein bisschen was von StarTrek. (StarTrek ist ein sehr schöner Ansatz, wie die Welt funktionieren KANN. Aber so weit sind die Menschen einfach noch nicht, und ich habe ganz große Zweifel, dass wir jemals soweit sein werden. Dazu haben wir einfach viel zu wenige Vulkanier unter uns.)
Ich glaube aber, dass der Großteil der Menschen dieses "Geschenk" gar nicht zu würdigen weiß – diese Freiheit, die durch das Grundeinkommen geschenkt wird, wird dann vermutlich bei einem Großteil durch Playstation, Barbara Salesch und Big Brother ausgefüllt.
Und ich glaube, egal, was ich für Filme sehe, was die Finanzierung angeht, es wird uns ruinieren.
So, wie ich die Sache sehe, müssten die Löhne, um Arbeiten attraktiv zu machen, enorm steigen, damit sich überhaupt noch wer dazu bequemt.
Das mag ja für unseren kleinen Kosmos Deutschland auch alles eine ganz tolle Sache sein. Blöderweise sind wir Exportweltmeister und müssen mit Ländern wie China, Russland oder sonstigen Billigstlohnstaaten konkurrieren.
Die Globalisierung wird sich einen Dreck um deutsche Animositäten wie ein Grundeinkommen für jeden scheren.
@apo:
Ich kann aus dieser Aussage von Dir nichts machen. Der Name des Wirtschaftssystems ist keine neue Information für mich. Und um's Kapital geht es bei vielen Systemen, nicht nur beim Kapitalismus. Viel bedeutsamer für unsere Wirtschaft finde ich, dass wir eine Marktwirtschaft haben. Abgesehen davon hättest Du auch schreiben können: "Unser System heisst Demokratie. Da geht es ums Volk, wie der Name schon sagt." – Das wäre ein genau so gutes "Argument" gewesen.
Du unterstellst pauschal allen Leuten, die bei uns in Wirtschaft, Lobbies und Politik arbeiten, es gehe ihnen nur um "Geld, Macht und Vermehrung desselbigen". Als Begründung für diese meiner Ansicht nach haarsträubende Behauptung lieferst Du keine stichhaltigen Argumente und Belege, sondern – ich sag mal – Stammtischparolen.
Ich kenne die Söhne eines hochrangigen Landespolitikers, der auch mal auf Bundesebene aktiv war. Über die Söhne habe ich ihn selbst kennen gelernt. Aus persönlicher Erfahrung kann ich auf keinen Fall bestätigen, dass es ihm nur um "Geld, Macht und Vermehrung desselbigen" gehe. Auch in dem weiteren politischen Umfeld, soweit ich es kennen gelernt habe, bestätigt sich Deine Behauptung in meiner Sichtweise nicht. Damit kann ich die Behauptung, allen Politikern gehe es ausschließlich um "Geld, Macht und Vermehrung desselbigen", für mich schon mal als falsch zurückweisen. Deckt sich nicht mit meiner persönlichen Erfahrung. (Dasselbe gilt für die Wirtschaft – ich kenne einen Bänker.)
Die Idee, dass wir von Machtbesessenen regiert werden, die uns nur so weit wie möglich schröpfen wollen, hat etwas Verlockendes an sich, weil sie das Leben mehr so wie einen Krimi wirken lässt. Aber die Realität ist nun mal nicht so Schwarzweiß. Sie ist differenzierter, und das macht alles so kompliziert.
Wenn Du in Deinem Denken von einem falschen Weltbild ausgehst, wirst Du bei falschen, unrealistischen Konsequenzen ankommen.
Und ich werde den Eindruck nicht los, dass der Begriff "Lobby" für Dich auch immer etwas Machtbesessenes, Negatives hat. Natürlich gibt es Lobbyisten, die diese stereotypische, böswillige Arbeit tun. Aber größtenteils ist die Arbeit eines Lobbyisten meiner Meinung nach viel langweiliger. Ich meine, es geht bei den Lobbyisten sehr stark um die Bündelung von Kommunikation und dergleichen. Ich empfehle auch, vor jeder Versuchung, die Lobbyisten rhetorisch in den Dreck zu ziehen, dreimal an folgendes Wort zu denken: "Umweltlobby"
Ehrlichkeit und Bedingungsloses Grundeinkommen!
Wenn in Deutschland seit Jahren ca. 46 Milliarden Erwerbsarbeitsstunden im Jahr geleistet werden, dann müßte man um diese Erwerbsarbeit auf alle 44 Millionen Erwerbsfähigen gerecht zu verteilen sofort den 4 Stundentag einführen.
Für eine Vollbeschäftigung aus heutiger Sicht, würde man also die doppelten jährlichen Erwerbsarbeitsstunden benötigen, nämlich ca. 90-92 Milliarden Erwerbsarbeitstunden.
Dafür müßte man dann wohl sehr viel weiteren unnützen Kram produzieren, den eigentlich dann niemand mehr brauchen würde und dieses dann auch noch ausschließlich auf Kosten der Umwelt.
Freundliche Grüße aus Oldenburg
Hans-Dieter Wege, Gegner asozialer Politik
Ein schönes Leben für alle Menschen als neue soziale Idee!
(Aus der Sichtweise eines Arbeiters und fünffachen Familienvaters nach 38 Jahren Erwerbsarbeit)
Von Hans-Dieter Wege
Im Jahre 2004 hörte ich zum ersten Mal von der Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommen. Mir ging es damals genauso, wie ganz bestimmt auch heute noch sehr vielen Menschen hier in Deutschland, auch meine erster Gedanke war, dann geht doch niemand mehr arbeiten. Auch zu einer Abstimmung zu diesem Thema stimmte ich dann gegen das BGE und für eine sanktions-und repressionsfreie Grundsicherung.
Für das so oftmals bezeichnete Recht auf Faulheit wollte ich auf gar keinen Fall meine Stimme geben. Ich muss aber auch ganz ehrlich dazu sagen, dass ich mich erst seit 2004, mit dem Beginn der Montagsdemonstrationen überhaupt mit dem Thema Politik befasse und das es mir auch überwiegend auf den Protest gegen dieses asoziale Hartz IV-Gesetz ankommt, mit dem Ziel dieses auch helfen abzuschaffen.
Zwangsläufig musste ich mich daher aber auch mit den Themen Kapitalismus, Kommunismus und Sozialismus beschäftigen. Da ich zwischenzeitlich zu der Meinung gekommen bin, dass die Zähmung des Kapitals auf der Erde, also der "Widerspenstigen Zähmung", allein aufgrund des Zwanges der Unternehmen Profite zu machen unmöglich sein dürfte. Und genau dieser Zwang dürfte auch ursächlich dafür verantwortlich sein, dass man seitens der Unternehmer versucht durch immer weitere Kürzungen der Kosten für die Lohnarbeit immer höhere Profite zu erwirtschaften und gleichzeitig aber auch Kunkurrenten wirksam zu bekämpfen, indem man sie ausschaltet um sie anschließend vielleicht sogar übernehmen zu können. Dies Alles setzt in meinen Augen eine Schraube ohne Ende in Gang und muss daher gleichzeitig für alle Arbeitnehmer der Grund sein, sich mindestens hiergegen erfolgreich zu wehren bzw. dieses System letztendlich zu überwinden, da es letztendlich auf der totalen Ausbeutung der Lohnarbeiter hinauslaufen würde.
Auch das derzeitige Sozialversicherungssystem, welches ja nach dem 2. Weltkrieg als Teil der so genannten Sozialen Marktwirtschaft sehr gut zu funktionieren schien, wurde von den Unternehmern als Arbeitgeber aufgebrochen und destabilisiert. Dieses Ziel wurde 2005 mit der Einführung der asozialen Zwangsgesetze nach Hartz und dem neu eingeführten System des Fordern und Förderns gekrönt und seit dem nennt sich Deutschland paradoxerweise einen vorsorgenden Sozialstaat.
Viele Renten-, Kranken-, und Arbeitslosenversicherte bekamen hierdurch ganz schnell zu spüren, was das Sozialversicherungssystem in Deutschland für sie als Betroffene wirklich noch wert ist.
Weitere Gründe kann man hier nachlesen:
Der Bund der Pflegeversicherten informiert: Mehrwertsteuer frisst Rente
http://www.scharf-links.de/41.0.html (bitte vollständigen Link einkopieren)
Aus den oben geschilderten Gründen und da ich mich selbst zwischenzeitlich zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen sehr ausführlich informierte, bin ich heute der Meinung, dass man die Menschen für dieses Grundeinkommen und zwar für das Linke + Mindestlohn + radikaler Erwerbsarbeitszeitverkürzungen + Arbeitskraftabgabe (Arbeitskraftabgabe meiner Meinung nach) in Höhe des jeweiligen Mindestlohnstundenlohnes als einen ersten Schritt hin zu einem freiheitlich internationalen demokratischen Sozialismus überzeugen muss, um endlich damit zu beginnen die Machtverhältnisse in Deutschland in einem ersten Schritt auf den Kopf zu stellen
und die zwangsweise Ausbeutung durch die Lohnarbeit zu beenden.
Seit Jahren werden in Deutschland im Jahr insgesamt ca. 46 Milliarden Erwerbsarbeitsstunden geleistet und diese Erwerbsarbeit müsste sich eigentlich, wenn man wirklich von einer sozialen Verteilungsgerechtigkeit ausgeht, auf ziemlich genau 44 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verteilen. Würde man dieser Anforderung folgen, würde sich die Arbeit dadurch auf einen 4 Stundenarbeitstag reduzieren und zwar für jeden Arbeitnehmer. Alle diesen Arbeitnehmern hätte dann würde man solidarisch verteilen z. B. in 2008 ein Gesamtnettolohn von 1.680 Milliarden Euro zugestanden.
Das wäre ein Netto-Jahreseinkommen für den einzelnen Arbeitnehmer von 38.181 Euro im Jahr oder 3181, 75 Euro Netto im Monat.
Ganz genau kann man das hier nachlesen:
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/VerdiensteArbeitskosten/VerdiensteArbeitskosten.psml
Kürzlich konnte man in den Medien die Angaben zu den "Sozialausgaben" nachverfolgen. Hier spach man seitens der Berichterstatter von 750 Milliarden Euro "Sozialausgaben" im Jahr.
Offensichtlich vergaß man hierzu aber zu erwähnen, dass es sich bei den Angaben zu Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in Wirlichkeit um die angesparten bzw. eingesetzten Löhne der Arbeitnehmer handelt, die die Arbeitgeber fälschlicher Weise oft auch als Lohnnebenkosten bezeichnen.
Lediglich die steuerfinanzierten Leistungen dürfte man somit als Sozialleistungen bezeichnen.
Nun ist es leider aber bei uns in Deutschland nicht so, dass die Lohnarbeit auch wirklich gerecht auf alle Menschen, die Lohnarbeit verrichten wollen, auch gerecht verteilt wird, sondern ein großer Teil der erwerbsfähigen und erwerbswilligen Menschen wird von der Lohnarbeit abgekoppelt um hierdurch einerseits die Profite der Unternehmer zu steigern und andererseits einer 2 Drittel-Gesellschaft den bisherigen Lebensstandart zu sichern. Und an dieser Besitzstandswahrung beteiligen sich logischer Weise auch Menschen, die vielleicht manchmal auch nur vorgeben auf der Seite der Erwerbslosen oder der anderen finanziell benachteiligten Menschen zu stehen.
Doch wäre das wirklich der Fall, so müssten alle diese Menschen letztendlich einsehen, dass eine Gesellschaft, alle gemeinsam nur das einnehmen und ausgeben kann, was gemeinsam durch die Lohnarbeit dieser Gesellschaft auch im Verlaufe eines Jahres erwirtschaftet wird. Vergleicht man das mit einem Landwirt, so kann doch auch nur das verbraucht werden, was innerhalb eines Jahres geerntet wird.
Und für beide Fälle gilt doch auch, dass man nur das Ansparen kann, was von einer "guten Ernte" vielleicht der Fall ist. Aber während man von einer Ernte eines Landwirtes eines Jahres vielleicht über ein Jahr hinaus leben könnte dürfte das mit einer angesparten Geldleistung kaum möglich sein. Denn wohl jeder kennt ja das Zitat: "Geld kann man nicht essen!" Übrigens auch das nicht, was es nach einer eventuellen Mißernte zu verteilen oder zu erwerben gibt.
Und aus den oben geschilderten Gründen muss man nun einfach in diesem Staat damit beginnen, die Abkopplung der erwerbsfähigen und erwerbswilligen Menschen von der Erwerbsarbeit zu beenden, den Menschen, die sich nicht an einer Erwerbsarbeit beteiligen wollen und stattdessen sich lieber an den mannigfachen Aufgaben in einem Haushalt oder zur Kinderbetreung oder anderer Weise beschäftigen möchten oder vielleicht auch gar nicht, sollte man dieses auch freistellen. Denn die Freiheit des Einzelnen darf doch niemals von seiner Lohnarbeitswilligkeit abhängig gemacht werden.
Und auch die Sozialgerichtsbarkeit in Deutschland scheint diesbezüglich schon wesentlich weiter zu sein, als die Regierung, das Parlament, die Arbeitnehmer-und Arbeitgebervertretungen.
Denn hier wird in der Entschädigungsverordnung zur Wahrnehmung von Terminen den Hausmännern und Hausfrauen eine Entschädigung von 12 Euro die Stunde für einen Zeitraum von bis zu 12 Stunden am Tag gewährt.
Alle diese Gründe sprechen in meinen Augen unbedingt dafür, ein linkes bedingungsloses Grundeinkommen +Mindestlohn + radikaler Erwerbsarbeitszeitverkürzungen + einer Arbeitskraftabgabe einzuführen und möglichst schnell im Parteiprogramm einer linken Partei aufzunehmen und auch einen Gesetzentwurf hierfür zu entwickeln.
Denn die bürgerlichen Grundsicherungsmodelle, ausschließlich über die Verbrauchssteuern finanziert und vielleicht von vornherein zu niedrig angesetzt dürften genau die gegenteiligen Effekte für die Menschen haben und wirklich immer niedrigere Löhne nach sich ziehen.
Das kann und darf aber nicht der Sinn und Zweck eines linken BGE werden!
Ich selbst halte übrigens ein einheitliches individuelles BGE in Höhe der Pfändungsfreigrenze für am Sinnvollsten, vom Säugling bis zum Greis, sollte jeder in Deutschland lebende Mensch einen Anspruch von ungefähr 1000 Euro im Monat bekommen. Und erst hiernach sollte die Besteuerung von zusätzlichem Einkommen in der dann erforderlichen Höhe beginnen.
Viele Menschen würden durch ein linkes BGE ausschließlich gewinnen wie zum Beispiel:
Auszubildende/SchülerInnen
Studierende
400 Euro-JobberInnen
Hausfrauen/Hausmänner
SoldatInnen/Soldaten (insoweit sie den Job nur des Geldes wegen machen und sich dann vielleicht lieber dem Frieden widmen)
Erwerbslose, kranke und behinderte Menschen
und vielleicht noch viele andere Personengruppen die mir vielleicht gerade nicht mehr einfallen.
Und abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass gerade ein BGE ein wirklicher Beitrag zum Bürokratieabbau wäre, viele unterschiedliche Kassen würden nicht mehr benötigt werden und die dort beschäftigten Menschen könnten stattdessen mit sinnvolleren Aufgaben versehen werden als an einem oder mehreren bürokratischen Monstern mitzuwirken.
Abschließend möchte ich noch mitteilen, dass in meinen Augen eine Gesellschaft nur dann eine wirkliche Zukunft hat, wenn sie die Arbeit und zwar die Lohnarbeit/Erwerbsarbeit und die Arbeit für eine erfolgreiche Reproduktion wie Hausarbeit, Sorge, Erziehung, Pflege usw. gleichberechtigt würdigt und zumindest in Höhe eines BGE angemessen und der Menschenwürde entsprechend für alle Menschen gleicher Maßen würdigt.
Durch Resignation und Depression in großen Teilen der Bevölkerung wird man niemals eine wirkliche gute Zukunft für eine Gesellschaft gewinnen.
Darum, für ein schönes Leben! Für das Bedingungslose Grundeinkommen für alle Menschen und zwar so schnell wie möglich!
Hans-Dieter Wege, Oldenburg