Wenn man aus einer Stadt wie Bielefeld kommt, über die jeder, wenn er ihren Namen hört oder liest, den immer gleichen, abgegriffenen Witz macht, dann ist das, was Markus da heute über Hamburg schreibt, vielleicht als Trotzreaktion zu werten.
Er bezieht sich dabei wiederum auf einen Artikel bei anmutunddemut, Quintessenz beider Postings ist der von Markus zitierte Satz:
"Das einzige was an Hamburg gut ist, sind die Dinge, die es in Bielefeld in besser gibt."
Das ist so haarsträubend kleingeistig, das entbehrt jeder Diskussionsgrundlage.
Auch, wenn die Kommentare unter Markus' Artikel humoristisch ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind:
Das ist chauvinistischer Scheiß, Markus, und Du weißt es.
Meine Güte, es ist eine Stadt. Keine Religion.1
Eine Trainingsjacke mit dem Aufdruck "Bielefeld" anzuziehen, ist um keinen Deut intelligenter als das Tragen einer "Hamburg"-Jacke.
Denk doch bitte so einen Satz wie den von Dir zitierten mal weiter, und frage Dich selbst, in welcher Ecke man irgendwann steht, wenn man den Ortsteil, die Stadt, die Region oder das Land, in dem man wohnt, in sämtlichen Punkten für überlegen erklärt.
(Sollte irgendjemand auf die Idee kommen, "Bielefeld gibt es nicht" unter diesen Artikel zu schreiben, wird der Kommentar unverzüglich gelöscht, das meine ich ernst.)
___- Für "es" beliebigen Städtenamen einsetzen.[ ↵]






Ich finde am sympathischsten an Bielefeld, dass jede Stadtglorifizierung dort notwendigerweise scheitert. Dass sehen wir ja gerade bei den BBs. Aber ich kann auch verstehen, dass jemand genervt ist von jemanden, der sagt: "Also, Köln/Berlin/Hamburg, da geht nichts drüber.", weil da eine gewisse naive Herabwürdigung anderer Wohnorte mitschwingt. Heimat ist wohl der Platz, an dem man am liebsten sein möchte, wenn man die Welt verteidigen müsste. Und das ist für viele unterschiedlich bestimmt.
"Das einzige, was an Hamburg gut ist, sind die Dinge, die es in Bielefeld in besser gibt."
Sind wir hier im Kindergarten? Tatsächlich entbehrt eine solche Aussage jeder Diskussionsgrundlage und ist wohl eher als Satire oder ähnliches zu werten – zumindest sicherlich nicht ernst zu nehmen.
@Rob: Hatte ich zunächst auch vermutet, konnte aber in keinem der beiden Beiträge erkennen, daß sie ironisch gemeint seien.
Du hast gut reden! Du muss ja auch nicht in diesem mit zugekoksten Businesskasparn und ihren hirnentleerten Shopping-Puppen zugepflasterten Moloch von Stadt wohnen und schlimmer noch, arbeiten.
Ganz davon abegesehen, bestätigst Du (bzw. ich) ja die Regel, die ich weiter oben in meinem artikel aufgestellt habe: Man kann nichts Gutes über Hamburg sagen, ohne Scheiße zu reden. ;)
Ich weiß auch nicht, was alle immer gegen Hamburg oder Berlin haben. Ich mag beide Städte sehr. Allerdings, wie ich bereits in meinem Kommentar zu Markus' Artikel schrieb: "Albern find ich bloß die Leute, die meinen, ihr Misserfolg im Leben hinge mit dem Umstand zusammen, nicht genau in diesen Städten zu leben." Und von der Sorte gibt's in Bielefeld (und dann später in Hamburg oder Berlin und noch viel später nach dem Scheitern wieder in Bielefeld) genug.
Hö? Mein Kommentar wurde kommentarlos nicht aufgenommen :-/
@ben_: Meinste nicht, daß es diese Sorte auch in Düsseldorf, Frankfurt oder München gibt? Vielleicht sogar in Bielefeld?
@mischa: Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Obwohl man da auch differenzieren muß. Wenn ich Dirigent werden möchte, habe ich in Hamburg, Köln oder Berlin sicherlich bessere Chancen als in Lemgo.
Dein Kommentar ist übrigens ganz problemlos durchgekommen.
@Lars: Unbestritten. Aber ein Dirigent, der es in Hamburg schafft war bereits in Lemgo gut ;) Natürlich hat man in Metropolen oft größere Chancen. Das Talent allerdings muss man aus der Provinz mitbringen.
@Mischa: Ja, keine Frage. Eine Stadt kann solche Talente aber auch unterdrücken, und dann ist es möglicherweise zu spät, um den Absprung zu schaffen.
Wer weiß schon, wie viele begnadete Ausdruckstänzer in Wolfsburg am Band arbeiten?
@Lars: Naja also zum einen muss ich ja nicht in Düsseldorf und Frankfurt leben. Vielleicht sind die in der Tat genauso scheiße als Stadt. Von Hamburg kann ich das aber definitv sagen. Scheißstadt. Hab mich selten so unwohl gefühlt in einer Stadt … aber ich sag mal – um die Hand zu reichen – mein eigentlicher Artikel ging ja auch nicht darum, dass Hamburg scheiße ist, sonder darum, dass man über Hamburg nichts Gute schreiben kann. Das ist ja im Grund die andere Seite des Städtbashings. Städtehyping. Und da habe ich im Grunde nichts anderes gesagt als Du: "haarsträubend kleingeistig, das entbehrt jeder Diskussionsgrundlage" ;)
Was Bielefeld angeht: Nein, diese Form von "Eure Armut kotzt mich an" Mentalität, die in Hamburgs Innenstadt jeden Tag zur Schaugetragen wird, habe ich in Bielefeld nur sehr selten erlebt.
Uuund damit nichts unausgesprochen bleibt: Die Dinge, die ich an Hamburg wirklich mag, sind nun einmal die Sachen, die mich an Bielefeld erinnern: Das es eigentlich sehr klein ist. Dass die Freunde dicht beisammen wohnen. Dass das Wetter immer scheiße ist. Dass nicht viel geredt wird. Eimsbüttel ist im Grunde, wie der Bielefelder Westen. Klar, das ist sehr subjektiv, aber darum stehts ja auch in meinem Blog und nicht in der unerträglichen "Gebrauchsanweisung für Hamburg", die als Klolektüre Auslöser für meinen Artikel war.
@ben_: Gegen differenzierte Wertungen will ich auch nichts gesagt haben. Mich störte lediglich dieses Pauschalurteil, das bereits deshalb unhaltbar war, weil die einzelnen Stadtteile Hamburgs ja schon allein von der Einwohnerzahl als eigene Städte herhalten könnten.
Markus' Zweifel an der Existenzberechtigung des FC St. Pauli war dann einfach zuviel.
Aber darüber schreibe ich mal einen eigenen Artikel.
Naja, ein bisschen Städtbashing darf ja durchaus sein. Aber nur, wenn sie vernünftig (also witzig) daherkommt (Z.B. wie in "Öde Orte").
PS: Danke nochmal für die Twitter-Handball-Berichterstattung!