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Wir haben aber keinen Obama

Tina Hassel vergleicht in ihrem gestrigen Tagesthemen-Kommentar die USA mit Deutschland und kommt zu der Erkenntnis, daß die Amerikaner in Zeiten der Krise sich nicht hängenließen, während die Deutschen sich apathisch "radikalen Rattenfängern" zuwenden würden.

Entschuldigung, Frau Hassel, aber das ist Blödsinn.

Wenn man wie in Deutschland zwischen den beiden großen Volksparteien keinen Unterschied mehr ausmachen kann, weil beide sich damit begnügen, der politischen Mitte in den Arsch zu kriechen und ab und zu mal etwas BILD-kompatibles rauszulassen, damit der Stammtisch was zum gefälligen Jawollsagen hat, darf man sich nicht wundern, wenn den Wählern das zuwenig ist.

Obama stellt sich vor seine Anhänger, lobt den politischen Gegner für seine Verdienste, bittet seinen unterlegenen Konkurrenten um seine Mithilfe und ruft seine Wähler dazu auf, die Spaltung des eigenen Landes zu überwinden.

Und hier?

Ein paar hessische Feiglinge warten bis zum letzten Tag, um dann die eigene Partei samt Spitzenkandidatin vollständig zu demontieren, nur um nicht mit unliebsamen Linken zusammenarbeiten zu müssen. Wen interessieren schon politische Inhalte?

Daß die Linken wiederum in der Mehrzahl vermutlich von enttäuschten Sozialdemokraten gewählt wurden und somit durchaus auch in einer nicht ganz so heruntergeschröderten SPD einen Platz gefunden hätten, scheint den vier Roland-Koch-Wählern (wer will sich schon so nennen lassen müssen?) auch noch keiner erklärt zu haben.

Die CDU-Bundestagsfraktion allerdings beweist wieder einmal, daß ihr in Bigotterie und inhaltlicher Scheißegalheit so schnell keiner etwas vormacht: Die lehnt einen gemeinsamen Antrag gegen Antisemitismus ab, weil die Linken den auch unterzeichnet haben, welche den Antrag wiederum wortgleich noch einmal einbringen müssen.

Das ist so reflexhaft und destruktiv, daß man als linker Bundestagsabgeordneter auf die Idee kommen könnte, einfach nur noch CDU-eigene Anträge einzubringen, damit die dann dagegen stimmen.

Nein, Frau Hassel, die Deutschen sind weder politik- noch demokratieverdrossen. Aber wenn ich zwischen Pest und Cholera wählen muss, dann nehme ich doch lieber die leichte Erkältung.

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