Mach 0,85

  • 6:50 – Freundin muß auf Dienstreise. Sie verläßt die Wohnung, um rechtzeitig den Zug Richtung Berlin zu nehmen, der um 7:20 Uhr abfährt.
  • 6:51 – Ich dreh mich nochmal um.
  • 7:12:00 – Mein Mobiltelefon klingelt. Sie ist dran:
    "Ich habe mein Portemonnaie vergessen, das ist in der anderen Handtasche, da ist meine Bahncard drin. Kannst Du mir das vorbeibringen?"
  • 7:12:13 – Ich überschlage die Strecke von der Wohnung zum Bahnhof und schätze angesichts der verbleibenden 8 Minuten die erforderliche Durchschnittsgeschwindigkeit auf Mach 0,85 ein. Schwierig, aber nicht unmöglich.
  • 7:12:15 – Ich antworte: "Ich versuch's."
  • 7:12:22 – Ich springe in meine Hose, greife mir die Geldbörse und alle benötigten Schlüssel und stürze 4 Stockwerke die Treppen hinunter.
  • 7:13:37 – Ich sprinte zum Wagen.
  • 7:14 – Zündung.
  • 7:15 – Ich bin unterwegs. Sehr schnell. Relativ zügig.
  • 7:17 – Ich vollführe haarsträubende Spurwechsel und umgehe so viele Ampeln wie möglich. Über 30 Jahre Ortskenntnis machen sich bezahlt.
  • 7:19 – Auf den letzten Metern öffne ich das Fenster und drücke ihr noch aus dem rollenden Auto die Geldbörse in die Hand. "Viel Glück!" presse ich mit der Restluft aus meinen Lungen hervor.
  • 7:20 – Ich atme zum ersten Mal wieder.
  • 7:21 – Rückweg.
  • 7:30 – Mein Parkplatz ist besetzt.
  • 7:33 – 4 Stockwerke wieder rauf. Gut, daß ich vorher schon geatmet habe.
  • 7:40 – Lese SMS: "Geschafft! Ich sitze im Zug!"
  • 7:45 – Sie hat tatsächlich den letzten Kaffee verbraucht.

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