Manowar

Möchte man seiner Leserschaft einen Text über die US-amerikanische Heavy-Metal-Band "Manowar" näherbringen, so steht man vor einem Problem.

Denn man muß zunächst mal jemanden finden, der diese Band überhaupt kennt. Oder besser: Der bereit wäre, das zuzugeben.

"Manowar" sind so etwas wie die "Blitz-Illu" der Musikwelt. Jeder kennt sie irgendwie, aber niemand, der als einigermaßen zurechnungsfähig gelten möchte, würde es wagen, in der Öffentlichkeit zu erwähnen, daß er schonmal in eines der Werke hineingelesen, bzw. in diesem Fall: hineingehört hat. Und irgendwie bleibt das Rätsel ungelöst, wie Menschen von so etwas leben können.

Wie eine Schmuddelzeitschrift offenbaren Manowar ihre gesamte Peinlichkeit bereits in ihrer äußeren Erscheinung, die sich am ehesten verdeutlichen läßt, indem man versucht, sich ein Wrestling-Team aus dem Mittelalter vorzustellen.

Lange Haare, Lederhosen und nackte Bodybuilding-Oberkörper geben schon bei jungen Männern ein zumindest fragwürdiges Bild ab. Diese Herren jedoch sind jenseits der 50, und so fällt die Entscheidung zwischen Lachkrampf und Mitleid selbst eingefleischten Heavy-Metal-Fans nicht immer leicht.

Aber wir wollen fair bleiben.

"Don't judge a book by it's cover", wie der Angelsachse sagt, hören wir uns doch einfach mal an, wie die Albumtitel von Manowar lauten.

Als da wären: "Fighting the World", "Triumph of Steel" und "Kings of Metal", um nur einige zu nennen.

Ja, tatsächlich, sie nennen ihre Alben "Triumph des Stahls" und "Metallkönige", was jedem PR-Beauftragten von ThyssenKrupp die Tränen in die Augen treiben dürfte.

Solche Titel lassen erahnen:
Ohne einen gewissen Pathos werden sich diese Stücke nicht bewerkstelligen lassen.

Und so drehen Manowar grundsätzlich immer alle Pathosregler auf 10. Ach, was sag ich, auf 12.

Wenn es ihnen an irgendetwas nicht mangelt, dann an Pathos, kein Wunder, verwenden sie doch ausschließlich den billigsten.

Da wird der gesamte Heavy-Metal-Baukasten ausgeräumt. Wo andere es bei ein paar Streichern belassen, hört man bei Manowar Orgeln, Chöre und natürlich jede Menge gesprochene Passagen von alten Zauseln, die irgendwas von Kriegern mit Schwertern und Streitäxten faseln.

Der ganze Kitsch sämtlicher Fantasyromane wäre nicht ausreichend, um auch nur einen Manowar-Song adäquat zu beschreiben.

Textlich beschränken sie sich stilsicher auf wenige Aussagen und bewegen sich zwischen "Wir sind die Allergrößten", "Ich wünschte, ich hätte ein Schwert" und "Wenn ich eins hätte, würde ich es euch allen zeigen."

Keine Überraschung, leuchtet es doch ein, daß man als 55jähriger mit so einem Outfit in der Gesellschaft häufig alleine dasteht. Da kann eine solide Hieb- und Stichwaffenausstattung sicher nicht schaden.

Dazu passendes Conan-der-Barbar-Artwork rundet das Gesamtbild ab, denn auf nahezu jedem ihrer Alben sind halbnackte Schwertkämpfer zu sehen, lediglich die Zahl der dargestellten Beidhänder, Kriegshämmer, Morgensterne oder – natürlich – unzureichend bekleidete Schlampen kann variieren – muß aber nicht.

Manowar halten mit fast 130 Dezibel den Rekord als lauteste Band der Welt, ein Kriterium, das bekanntermaßen in der gesamten Musikwelt als entscheidendes Qualitätsmerkmal gilt und der einzige Grund dafür ist, warum Whitney Houston mehr Platten verkauft hat als beispielsweise Björk.

Viel hilft bekanntlich viel, und wer wüßte das besser als Manowar?

Nun wäre es ungerecht, die vier Herren an ihren Erzeugnissen zu messen, die sie vor 20 Jahren abgeliefert haben, möglicherweise sind ja auch sie reifer und besonnener geworden.

Um es kurz zu machen: Nö, sind sie nicht.

Ihr aktuelles Werk trägt den Namen "Gods of War", ist ein Konzeptalbum über den nordischen Gott Odin, und der Bonustrack lautet "Die for Metal", womit wir wieder bei der stahlverarbeitenden Industrie angelangt wären.

Auf dem Cover sind vier muskulöse Krieger mit langen Haaren, freiem Oberkörper und nietenbesetzten Lederhosen zu sehen. Sie halten riesige Schwerter in ihren Händen und sind von nackten Schlampen umringt. Konnte man voraussehen. Gut, es hätten auch riesige Schlampen und nackte Schwerter sein können.

Drohungen der Band zufolge handelt es sich um den ersten Part in einem vierteiligen Zyklus über prominente Kriegsgötter, man darf also gespannt sein, was da noch so auf uns zukommt.

Unbestritten dürfte sein, daß wir es hier mit der erfolgreichsten Heavy-Metal-Parodie seit Spinal Tap zu tun haben. Mit dem Unterschied, daß Spinal Tap wissen, was eine Parodie ist.

Und so schließen wir unsere Betrachtung mit Songtiteln von Manowar:

"Carry On"

oder alternativ auch

"Blow Your Speakers".

Denn zumindest die letztgenannte Aufforderung dürfte dann doch für alle Beteiligten das beste sein.

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