Das war jetzt der zweite Poetry Slam innerhalb von 5 Tagen. Detmold am Dienstag und am Samstag dann Hagen.
Beide habe ich gewonnen (yes!), obwohl beide kaum unterschiedlicher hätten ablaufen können.
Zunächst Detmold. Die Hinfahrt war schon seltsam. Irgendwie kann ich nicht glauben, daß die direkte Verbindung zwischen zwei aneinander grenzenden Landkreisen irgendwann so schmal wird, daß man rechts ranfahren muß, wenn einem ein LKW entgegenkommt.
Aber nun gut, das erklärt dann auch die ländliche Fahrweise der Lipper.
Der Slam war – naja. Das Publikum war nicht nur sehr überschaubar – 16 Gäste hatten sich eingefunden – es war auch akustisch kaum zu bemerken.
Als ich als einer von sechs Slammern die Vorrunde nach meinem komplett versandeten Intro absolviert hatte, hätte die Stimmung auch nicht schlechter sein können, wenn ich auf einer Beerdigung Witze über den Verstorbenen gemacht, in die Bowle gereihert und die Witwe angebaggert hätte.
"Nie wieder Detmold," sagte ich noch zu meinem Kumpel, da wurde ich auch schon ins Finale gewählt. Damit war nun wirklich nicht zu rechnen.
So war es dann zwar etwas peinlich, aber irgendwie auch nur konsequent, daß ich tatsächlich keinen weiteren Text auf Papier dabei hatte. Also habe ich mir kurzerhand einen Text aus meinem Blog heruntergeladen und direkt vom PDA vorgetragen. Da war die Stimmung schon etwas besser, und tatsächlich: Zum Schluß hatten sie mich zum Sieger auserkoren.
Zu gewinnen gab es eine ansehnliche Flasche schottischen Whiskys, und 5 Minuten später waren auch schon alle gegangen.
Wie Rouven schon beschrieben hatte: Man mußte sich als Slammer vorkommen, als würde einem eine Welle der Antipathie entgegenschwappen.
Vollkommen unmöglich und absolut für den Arsch war übrigens die Tatsache, daß während des Slams die ganze Zeit ein paar Leute an so einem scheiß Kickertisch herumlärmten. Das habe ich schon fast als Beleidigung gegenüber den Slammern empfunden.
Was machen die da als nächstes, wird dann nebenbei Fußball im Fernsehen gezeigt, oder legt der Wirt seine Lieblingspolka-CD auf?
Gute Stimmung geht echt anders.
Nämlich so: Pelmke, Hagen, Westfalen.
Als ich am Samstag nach knapp 2,5 Stunden Autobahnfahrt zusammen mit Moderator Marc-Oliver Schuster (der mit der Katze) in der Pelmke ankam, war zwar auch noch niemand da, dafür gefiel mir die Herangehensweise der Verantwortlichen, obwohl die zuvor noch nie einen Poetry Slam veranstaltet hatten:
"Ach, da gucken wir mal, wie viele kommen, das wird schon, wollt ihr was trinken?" "Yep." "Ich schau mal, ob ich noch 'nen Kasten kaltes Bier da habe, den stelle ich euch hin, ansonsten gibt's Getränkemarken."
Vorneweg gab es dann auch gleich noch das Spritgeld zurück (und zwar in voller Höhe), so daß man ganz entspannt abwarten konnte, wer so alles zum Zuschauen und -hören kommt.
Das waren zunächst vereinzelte Frauen mittleren Alters, die ich allesamt für Deutschlehrerinnen hielt, später wurde es dann tatsächlich richtig voll, komplett gemischtes Publikum und offenbar alle bester Laune.
8 Slammer, davon zwei (oder drei?) direkt aus Hagen, gaben ihr Bestes, so daß das Publikum voll auf seine mit 3 Euro sehr moderat bemessenen Kosten kam.
Die haben gejohlt, echt jetzt. Und zwar für alle Teilnehmer. So muß das sein.
Auch nachdenklichere Texte wie der von Unique aus Düsseldorf wurden respektvoll gewürdigt.
Und ich konnte mich auch nicht im Geringsten beklagen: Mein "Jahrgangstreffen" kam gut an, so daß ich im Finale die "Singlebörsenregeln" vortragen konnte, was schließlich zum Sieg gereicht hat.
Comedy rules halt doch.
Besonders beeindruckt war ich davon, daß die Zuschauer hinterher auch noch Redewendungen aus meinen Texten verwendet haben. ("Aber hier ist es ja auch schön." – "Und, sonst so?") Unglaublich. So muß es sein, wenn man ein Konzert gegeben hat und das Publikum danach noch die eigenen Melodien pfeift.
Apropos danach: Danach wurde noch ausgiebig vor Ort gefeiert, mit Tobi Katze aus Dortmund, Claas aus Essen und fast allen anderen, Marc mußte leider schon früher los, um seinen Zug zu erwischen.
Hübsche (und dazu sehr nette) ortsansässige Frauen waren auch noch da, und so haben wir uns in guter alter Rockstar-Tradition im Kreise von Supermodels die Getränkemarken auf den Kopp gehauen.
Irgendwann schlurfte ich dann todmüde zu einem Kumpel von Marc, warf mich dort im Gästezimmer auf den Fußboden und schlief den Schlaf der Gerechten. Danke nochmal für die Unterkunft.
Zu gewinnen gab es übrigens die Weltherrschaft und ein Interview mit einer sympathischen Redakteurin der Westfalenpost, die meinen Namen sogar korrekt geschrieben hat. Toll.
Und jetzt bin ich in 3 Städten sozusagen "amtierender Slam-Meister".
Ok, Hameln, Detmold und Hagen, aber, hey, muß ja nicht immer gleich New York, Paris und Sydney sein.






Glückwunsch!
Sag mir Bescheid wenn es Dich mal nach Bremen verschlägt :-)
Gratulation….