…von denen sie keine Ahnung haben, dann endet das manchmal so wie der Artikel von Johannes Boie von der "Süddeutschen Zeitung", der für die Online-Redaktion anscheinend derart wichtig war, daß er sogar an zwei verschiedenen Stellen veröffentlicht wurde.
Die korrekte Reaktion wäre vermutlich, diesen ausgemachten Unsinn links liegen zu lassen und mit dem Tagesgeschäft fortzufahren.
Aber Herr Boie hat seinen Artikel in einer derart überheblichen Arroganz verfaßt und hat noch dazu mit dermaßen unfairen Mitteln gearbeitet, daß ich das einfach nicht unkommentiert stehenlassen kann.
Er wirft dort der deutschen Blogosphäre Irrelevanz und Unprofessionalität vor, setzt aber selbst Mittel ein, für die sich ein Journalist in Grund und Boden schämen sollte.
Es beginnt mit einem falschen und dadurch sinnentstellenden Zitat dieses Posts von Julie:
"…ob die Räume mit W-LAN ausgestattet seien."
Herr Boie, das steht da nicht und das stand da nie.
Die Anfrage lautete:
"Ihr habt nicht zufällig W-LAN?"
Und das bedeutet etwas vollkommen anderes.
Herr Boie, sowas gehört sich nicht, schon gar nicht, wenn Sie das dann auch noch als uninteressant und unlustig darstellen. Wenn Sie nicht in der Lage sind, einen vierzeiligen Absatz korrekt wiederzugeben, sollten Sie über einen Berufswechsel nachdenken.
Weiter gehts:
"Deutschlands bekanntestem Mainstream-Weblog, Spreeblick, war diese Anekdote einer Berliner Bloggerin eine Verlinkung an prominenter Stelle wert." [Hervorhebung von mir.]
Sehen Sie, Herr Boie, da tritt Ihre Inkompetenz deutlich zutage.
Da haben doch die Leute von Spreeblick tatsächlich die geradezu unmenschliche Mühe auf sich genommen und einen Link gesetzt. Und das auch noch ganz oben auf der Seite!
Sie hingegen schaffen es in einem über 70 Zeilen langen Text über eine im Internet stattfindende kulturelle Bewegung nicht einmal, einen einzigen Link zu setzen.
Was diese Spreeblick-Leute alles mit diesem Internet machen können, man kann nur staunen.
Daß Sie diese Anekdote als Musterbeispiel für die deutsche Blogosphäre einsortieren, ist die nächste Unverschämtheit.
Genausogut könnte man behaupten, die derzeitige Berichterstattung der Süddeutschen über die Sommerlochmeldungen der letzten Jahre wäre ein Beispiel, wo das deutsche Pressewesen einzuordnen sei.
Und so verallgemeinern Sie sich von einem Fettnapf in den nächsten:
"… Vergrößerung das erklärte Ziel der Blogosphäre …"
Habe ich irgendwas verpaßt? Wer hat das denn erklärt?
Und selbst wenn irgendjemand das mal geäußert haben sollte:
Ist die Online-Durchsuchung das erklärte Ziel der Deutschen? Ist der Einmarsch in den Iran das erklärte Ziel der Amerikaner?
Aus Ihrer nächsten Peinlichkeit spricht hingegen die pure Jobangst:
Man will eine Alternative zu den etablierten Medien werden.
Bitte? Wer behauptet das denn? Hat irgendein Weblog in der Vergangenheit den Anspruch erhoben, eine Alternative zur Süddeutschen Zeitung sein zu wollen?
Ihr Problem scheint mir vielmehr darin zu liegen, daß Sie und Ihr Berufsstand davor Angst haben, Ihr Monopol auf Öffentlichkeit zu verlieren.
Herr Boie, Sie müssen jetzt ganz stark sein: Die Zeiten sind längst vorbei.
Oder wollen Sie ernsthaft behaupten, daß gesellschaftliche Veränderungen nur über Printmedien stattfinden?
Was maßen Sie sich eigentlich an, darüber urteilen zu wollen, wie relevant diese Informationen für den Leser sind?
Wie relevant sind Meldungen in der SZ über Nicole Ritchie? Über Britney Spears?
Zudem sind Weblogs eine für den Konsumenten kostenfreie Informationsquelle.
Sie müssen sie nicht lesen, wenn Sie nicht wollen.
Sie kommen mir vor wie jemand, der immer wieder im Bus schwarzfährt und sich hinterher beschwert, daß der Fahrer Sie nicht bis nach Hause gebracht hat und nebenbei nicht Ihr Lieblingslied über die Lautsprecher lief.
Was relevant ist und was nicht, bestimmen nicht Sie. Finden Sie sich damit ab.
Und wenn Sie das nächste Mal einen Text über ein Thema schreiben möchten, von dem Sie nichts verstehen, fragen Sie doch einfach erstmal ein paar Leute, die sich damit auskennen.
Die meisten von denen sind nämlich ganz nett und wollen Ihnen gar nicht Ihren Job wegnehmen.






[...] tivoli-blog, Walküre, fanman, maingold, magerfettstufe, tyndra, niggemeier, trierer medienblog, spitblog, don dahlmann und auch Jan Schmidt korrigiert sein [...]
Schon lustig, wie eins zum anderen führt und dabei sehr viel nebenher zutage kommt: Die Ironie- und Humorfreiheit einiger, das Mißtrauen anderer sowie die Inkompetenz des Herrn von der SZ.
Ich sollte mal wieder beim Friseur anrufen …
Schrecklich, nicht?
Zugegeben, ich fand die W-LAN-Anekdote jetzt auch nicht so zum Brüllen, daß ich mir Furchen in die Schenkel geschlagen hätte, aber muß man immer gleich mit dem erhobenen Zeigefinger ankommen?
Wenn ich solche humorresistenten Spießer bei ihrem Tun beobachte, muß ich immer an die beiden Figuren aus "Pappa ante portas" denken:
"Über das Mißgeschick eines Menschen spottet man nicht! Aber wenn es einen Anlaß zum Scherzen gibt, schmunzeln wir auch gerne einmal."
Ansich stimme ich dir zu, Lars. Nur ein, zwei Punkte möchte ich aus meiner Sicht dazu sagen.
Herr Boje zitiert Julie nicht und er wollte sie auch nicht zitieren. Er schildert eine Situation und der Wortlaut ist dabei irrelevant. Wie oft werden so Gespräche wiedergegeben.
Und mal ehrlich, an dem Witzsinn ändert es reichlich wenig, ob es "mit W-LAN ausgestattet" oder "habt ihr zufällig W-LAN" heißt.
Da versuchst du, ihm unbedingt einen Fehler nachzuweisen, den er nicht begangen hat.
Das zweite ist,dass er natürlich mit seiner Artikel eine bestimmte Position vertritt. Dass diese Bullshit ist, bleit mal außen vor. Auch in anderen Medien gibt es informationell Hochwertigere und eben solche, die es nicht sind. Den gesellschaftlichen Wert müssen dann die Konsumenten für sich festlegen. Das verkennt Herr Boje. (Seine Kritik an dem gegenseitigen Zerfleischen ist übrigens gerechtfertigt.)
Allerdings sieht er in der Blogsphäre auch Chance, dass ist ja schon mal was. Wenn jeder Leser soviel, darüber nachdenkt wie wir, dann hat er mit seinem Artikel ja schon einiges erreicht.
Doch, Jan, das ist ein Unterschied. Die Antwort "Wir verwenden Tigi und Schwarzkopf" ergibt auf die Frage, ob die Räume mit W-LAN ausgestattet seien, nicht den geringsten Sinn.
Und es ist verdammt nochmal unfair, einen Witz so zu erzählen, daß man die Pointe versaut und sich dann hinterher darüber zu mokieren, daß der Witz nicht lustig sei.
Insbesondere dann, wenn hier jemand im Namen eines Presseorgans wie die Süddeutsche Zeitung über eine einzelne Bloggerin herzieht.
Herr Boie teilt in seinem Artikel kräftig aus, verallgemeinert und verdreht dabei äußerst unprofessionell Fakten. Im gleichen Atemzug wirft er aber der deutschen Bloglandschaft genau diese Unprofessionalität vor.
Ob Herr Boie in der Blogosphäre eine Chance sieht, hat ungefähr genausoviel Gehalt wie ein Ölkonzern, der sich mit Bauplänen für Elektroautos beschäftigt.
Denn Herr Boie vertritt mit seinem Artikel eine Gruppe von Telekommunikationsverweigerern, denen es einzig und allein um die eigene Besitzstandswahrung geht.
Das wird schon allein dadurch offenkundig, da er es unter allen Umständen vermeidet, auch nur irgendeinen Link zu setzen.
Das wirft drei mögliche Erklärungen auf:
Keine der drei Möglichkeiten deutet darauf hin, daß es Herrn Boie um einen offenen Dialog ginge.
[...] aktuell wird an vielen Stellen [etwa hier, hier und hier] über den Artikel von Johannes Boie diskutiert, der am Samstag in der Süddeutschen [...]
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Sehr schön, ich gehe jetzt mal die „prominente Stelle“ in meinem Blog suchen, wo ich demnächst besonders prominent und nachhaltig verlinken könnte.