Im Grunde genommen ging mir Flickr bislang ziemlich am Arsch vorbei.
Nicht, daß ich mich nicht für Fotografie interessierte, im Gegenteil, die Begeisterung dafür ist zwischenzeitlich nur etwas eingeschlafen. Vor wenigen Jahren habe ich mich sehr intensiv mit Fotografie beschäftigt, war zahlendes Mitglied bei fotocommunity.de und habe diesen Dienst regelmäßig benutzt.
Ok, fotocommunity.de ist Web 0.8, aber die Qualität der Fotos dort war – zumindest für eine Zeit lang – insbesondere im deutschen Sprachraum hervorragend. Später ist dann viel Schrott dazugekommen, aber insgesamt war das Niveu schon ziemlich hoch. (Höher als meins, übrigens.)
Das, was bei Flickr jedoch zum größten Teil hochgeladen wurde, war mir komplett gleichgültig. Es kam mir so vor, als wäre Flickr eine große Halde, auf der jeder seine Bilder abladen würde, die er vom Neustädter Feuerwehrfest oder im Malle-Urlaub gemacht hat.
Interessant für Freunde und Familie, für den Rest: Völlig irrelevant.
Nun hat Flickr sich dazu entschlossen, im Bezug auf die deutsche Nutzergemeinde in vorauseilendem Gehorsam komplett am Rad zu drehen. Deutsche (zahlende) Benutzer bekommen nur noch Bilder zu sehen, die von irgendjemandem als "nicht jugendgefährdend" eingestuft werden, also kein Mops drauf zu sehen ist.
Mit Benutzern, die verherrlichende Bilder der deutschen Luftwaffe im Dritten Reich sowie Göring-Portraits hochladen, scheint Flickr jedoch keine Probleme zu haben.1 Zudem hat der Verein ein Kommunikationsgebaren, das an Arroganz schwer zu überbieten ist.
Ich bin aber schon seit 15 Jahren kein Jugendlicher mehr, was meine zarte Seele erträgt, bestimme ich selbst, und wenn ich Menschen beim Knattern zusehen will, dann steht Flickr ohnehin auf der Liste der danach zu durchsuchenden Webseiten noch hinter der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde.
Ansonsten verhält sich Flickr ähnlich wie unsere Bundesregierung: Bevormundend, an der Bevölkerungsmeinung vorbei und vollkommen resistent gegenüber Experteneinschätzungen.
Und ehrlich gesagt, reicht mir schon, daß ich unsere Bundesregierung bezahlen muß.
Aber ich schweife ab. Wo war ich? Ach ja, Fotodienste.
Nachdem ich die Diskussion um Flickr-Alternativen eine Weile verfolgt habe, habe ich mir mal Ipernity angesehen und bin einigermaßen begeistert.
Nicht nur die Qualität der Fotos dort ist außergewöhnlich hoch (was sich wohl bei wachsender Nutzerzahl relativieren wird), auch der Gemeinschaftsgedanke ist überwältigend. Was ich allein in den ersten 3 Tagen an Kommentaren und Kontaktanfragen aus ganz Europa erhalten habe, hat mich schon ziemlich überrascht. Teilweise kam ich gar nicht nach, alles zu verfolgen.
Am meisten gefällt mir, daß anscheinend nicht nur viele Teilnehmer aus Deutschland zu Ipernity gewechselt sind. Es ist zwar ohnehin ein Dienst aus Frankreich, aber mir scheint, daß sich viele Spanier und Franzosen aus Solidarität mit den deutschen Benutzern fragen: "Wer weiß, wen sie als nächstes zensieren?" und Flickr den Stinkefinger gezeigt haben.
Das ist aber nur mein persönlicher Eindruck, den ich aus den Blogeinträgen2 gewonnen habe.
Kurz gesagt: Da bleibe ich. Und ich werde wieder verstärkt fotografieren, ich habe wieder Lust dazu bekommen.
So gesehen bin ich den Leuten von Flickr für ihren PR-Stunt sogar dankbar.
Meine Ipernity-Homepage findet Ihr hier: http://www.ipernity.com/home/lars
Außerdem werde ich hier auf meinem Weblog von nun an das eine oder andere Foto von mir veröffentlichen.
Also, eines, das ich gemacht habe, nicht eines, auf dem ich zu sehen bin. Keine Sorge.
___






Eine Halde. Genau das ist/war flickr für mich. Wo man mal schnell ein paar Fotos hochballern kann um sie dann bequem ins eigene Blog einzubauen.
Ich werd die alten Bilder bei flickr stehen lassen und dann einfach die neuen bei zooomr hochladen.
Nachtrag:
Schöne Fotos!
Danke! :-)
[...] Wie ich schon einmal erwähnt habe, war ich mal sehr aktiv in der "Fotocommunity", einer Plattform, auf der Hobby- und zum Teil auch Profifotografen ihre Bilder austauschen und kommentieren. [...]