Liebe Frau P.,
Du sitzt tagaus, tagein auf Deinem dicken Bratarsch an der Kasse.
Das ist nicht schlimm, ganz im Gegenteil, ich bin ja auch nicht gerade eine Elfe, außerdem bin ich keiner von den Leuten, die nicht auch einfache Dienstleistungstätigkeiten zu schätzen wüßten, ganz bestimmt nicht.
Aber da wären wir schon beim Thema. Dienstleistungen.
Wir könnten doch eigentlich ganz gut miteinander auskommen, schließlich sind wir aufeinander angewiesen.
Ohne Kassiererin darf ich meine Ware nicht aus dem Laden tragen, ohne Kunden gäbe es Deinen Arbeitgeber nicht.
Warum bist Du dann jedesmal so scheiße drauf?
Du kannst kein "Bitte", kein "Danke", kein "Guten Tag" und kein "Auf Wiedersehen". Nichts dergleichen.
Du kannst nur Zahlen.
"23,95".
"Hier, bitteschön."
- Nichts.
Du ziehst ständig die gleiche unfreundliche Fresse, als widerten Dich die ganzen Leute an, die Dir Tag für Tag den Kühlschrank vollmachen. Randvoll. Zumindest, wenn man sich Deinen dicken Bratarsch so ansieht.
Du bist die Herrin der Kasse, niemand kommt ohne abfälligen Blick an Dir vorbei, das wäre ja noch schöner. Was wollen die? Waren einkaufen? Sollen sie doch woanders hingehen. Mist, wenn diese Dreckskundschaft nicht wäre, könnte der Tag so schön sein, nicht wahr?
Aber ich will mich nicht aufregen.
An Deine Granitvisage habe ich mich mittlerweile schon gewöhnt, schließlich komme ich ja oft genug vorbei. Zweimal im Monat, würde ich schätzen, vermutlich sogar öfter. Seit vielen Jahren.
Daß Du eine unfreundliche, verhärmte alte Ziege bist: Geschenkt.
Daß Du nicht mal einem einarmigen, blinden und gehbehinderten Kunden eine Plastiktüte anbieten würdest: Was soll's. Sprechen kann er ja noch, soll er halt fragen.
Ich will eigentlich auch gar nicht mehr, daß Du freundlich bist. Ich will auch nicht Dein Freund sein. Zumindest nicht, wenn ich mir so Deinen dicken Bratarsch ansehe.
Aber an eine Sache werde ich mich niemals gewöhnen:
Immer, wenn ich bei Dir irgendetwas mit EC-Karte bezahlen will, prüfst Du meine Unterschrift, als wärst Du ein verdammter Schriftsachverständiger.
Jedesmal.
Da wird der Beleg neben die EC-Karte gehalten, da wird nochmal vorne auf die Karte geguckt, nochmal umgedreht, nochmal verglichen.
Jedesmal. Seit Jahren. Mehrmals im Monat.
Ich könnte Dein eigener Sohn sein, Du würdest meine Unterschrift prüfen.
Und würdest Dir wie immer denken: "Naja, so richtig gleich sehen die nicht aus, aber ich laß es nochmal durchgehen."
Und dann würdest Du mir meine Karte und meinen Beleg wiedergeben, Dich auf Deinem dicken Bratarsch zum nächsten Kunden hindrehen und ihm irgendeinen Betrag an den Kopf werfen.
Aber ich, ich würde nach Hause fahren, meinen Jutesack mit dem aussortierten Kleingeld nehmen und wiederkommen. Und dann würde ich mir senile alte Männer suchen. Und die lasse ich dann Dinge kaufen, die immer ganz knapp weniger als volle Eurobeträge kosten.
Und wenn Du ihnen dann Dein berühmtes "1,96" entgegenblaffst, werden sie erst in dem ganzen Klimpergeld herumkramen und Dir dann einen Haufen Centstücke auf Deinen Scheißtresen schütten, sich ganz weit zu Dir hinüberbeugen und sagen: "Ach, junge Frau, schauen Sie doch selbst mal nach, ich kann ja nicht mehr so."
Und ich werde dafür sorgen, daß dahinter immer ein Kunde steht, der unentwegt drängelt und nörgelt und "Geht das da bald mal weiter?" brüllt, und dann wirst Du Dir wünschen, daß zukünftig alle Kunden mit EC-Karte bezahlen und ob ihre Unterschriften gleich aussehen oder nicht, das wäre Dir scheißegal, die könnten dann auch einfach 'nen Blauwal hinmalen oder mit ihrem Blut unterschreiben.
Und vielleicht würdest Du dann endlich mal "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen" sagen, Du blöde Kuh auf Deinem dicken Bratarsch.






Ahh, schön am Morgen so lachen können.
Frau P ist die Durchschnittsbedienung vieler Discount-Märkte.
Außerdem dachte ich beim Lesen der Überschrift, es geht um eine bayrische CSU-Abgeordnete:)
90% unserer Mitmenschen über 50 glauben übrigens, dass man Beträge unter 25 Euro nicht mit EC-Karte bezahlen sollte / darf, weil es länger dauern würde, als der Bareinkauf.
@ Martin
Nicht nur Menschen über 50 glauben das.
Außerdem stimmt es auch noch, jedenfalls nach den Erfahrungen, die ich mit EC-Karten-Einkäufern im Supermarkt gemacht habe.
Immer wenn ich einkaufen gehe, stehe irgend jemand vor mir, der drei Tafeln Schokolade umständlich mit der EC-Karte bezahlen muss, wodurch er die Schlange stundenlang aufhält (Äh, wo habe ich sie denn jetzt? Wie war doch gleich die PIN?).
Ich habe noch nie erlebt, dass jemand einen großen Einkauf mit EC-Karte bezahlt.
Mit EC-Karte werden grundsätzlich nur "Bagatell-Einkäufe" bezahlt.
Meine EC-Karten-Einkäufer im Supermarkt sind auch nicht von der schnellen truppe, sondern stellen sich grundsätzlich besonders umständlich an, so dass man schon fast für sie mitbezahlen möchte, um endlich nach Hause zu kommen.
Übrigens:
Ich zahle auch mit EC-Karte, aber eben nicht im Supermarkt.
Frau P. arbeitet nicht im Supermarkt.
Nö die Frau P.s dieser Welt sind ganz nett. Was ich hasse sind diese Unterschichtler mit ihrer achsotollen Kreditkarte jeden Kleinkram bezahlen. Ja richtig ekelhaft ist das. Fühlen diese Menschen sich nicht fähig 20€ vorausschauend mitzunehmen?
Wahrscheinlich nicht, denn dann wäre ja kein Geld mehr für Impulskäufe übrig… Shoppingrausch durch abstraktes Geld, das ist die Droge der Konsumverrückten (und -abhängigen).
Huch wo bin ich denn da jetzt gelandet. Naja egal, lass den Kommentar jetzt so mal stehn…
Stefan: Mit einer Kreditkarte kann man weder im Supermarkt, noch bei mir bekannten Elektronikhändlern bezahlen.
Wohlgemerkt: Kreditkarte.
So ganz nebenbei: Du hasst Unterschichtler? Ist das nicht sehr gefährlich?
Muss mich wohl doch noch erklären:
Also ich habe nicht gegen Menschen mit wenig Geld. Das Wort war vielmehr eine Reaktion auf die vielen beleidigenden Worte im Blogeintrag (Bratarsch, blöde Kuh..). Also nicht für voll nehmen bitte.
Ich habe keine Kreditkarte, da habe ich wohl tatsächlich einen Fehler gemacht. Nennt sich offiziell Debitkarte. Aha. Der Unterschied scheint nur in der Abrechnung zu liegen. Gleich bleibt, dass sie elektronisches, abstraktes Geld beinhalten.
[...] spitblog » Liebe Frau P. [...]
@RA Michael Seidlitz (?):
glauben kannst Du in der Kirche.
Jeder meiner EC-Buchungsvorgänge ist schneller als Dein Herausgesuche vom 3-Schokoladen-Kaufbetrag.
@Stefan:
und lass mich raten, für die "vorausgeschauten" 20 Euro fährst Du dann zum Geldautomaten?
*schmeissweg*, "…Ich könnte Dein eigener Sohn sein, Du würdest meine Unterschrift prüfen.!"
Lange nicht mehr so gelacht, danke dafür :-)
Bestes,
Michael