oder: Wo ist bei einer Kugel "oben"?
Dies wird mein erster Beitrag, in dem ich das Wort "Blogosphäre" benutze, einen Begriff, den ich bisher aus ganz subjektiven Gründen abgelehnt hatte.
Ich hielt es immer für ein Kunstwort, das möglichst knorke ein Zusammengehörigkeitsgefühl beschreibt, das es gar nicht gibt. Oder doch?
Ich bin mir immer noch nicht sicher.
Es gibt Dinge, die für die Existenz sprechen:
Denn die Gemeinschaft der Blogger tritt immer dann recht deutlich zu Tage, wenn sie von außen angegriffen wird.
Abmahnwellen oder wütende Tiraden über Blogger im Großen und Ganzen erzeugen eine logische Reaktion:
Sie machen aus der äußerst heterogenen Gruppe von Individualisten ein "Wir", das zu Recht mit Leidenschaft verteidigt wird.
Unterstützt wird dieses Phänomen noch, wenn konventionelle Medien versuchen, ihrer konservativen Leserschaft zu erklären, was sie selber nicht verstanden haben.
Die herablassende Bezeichnung "Online-Tagebücher" etwa oder der Versuch, das, was wir da machen, an Hand von Vergleichen mit bloggenden Dissidenten aus China zu erklären, machen deutlich, wie schwer sich manche Redakteure damit tun, diese Entwicklung zu begreifen, solange sie noch kein Teil davon sind.
Mir ging es übrigens nicht anders: Als vor über zwei Jahren der "Jamba Kurs" bei Spreeblick veröffentlicht wurde, habe ich das lediglich als "Lustiger Text, der auf irgendeiner Homepage steht", wahrgenommen und auch erst dann, als an anderer Stelle darüber berichtet wurde.
Also gibt es die Blogosphäre doch?
Mein Weblog ist jetzt seit fast 300 Tagen online, doch so richtig als "Teil einer Gemeinschaft" fühle ich mich immer noch nicht.
Das mag aber auch daran liegen, daß ich einige Blogs trotz ihrer hohen Reichweite nach wie vor nicht lese und für überbewertet halte, was aber nicht dadurch begründet ist, daß diese Blogs viele Leser haben. Ich mag einfach deren Schreibstil nicht, das ist dann auch schon alles. Es muß ja auch nicht jeder schwarzen Kaffee mögen.
Von meinem persönlichen Zugehörigkeitsgefühl zu dieser Gemeinschaft aber mal ganz abgesehen, scheint es jedoch auch Skeptiker zu geben, die den Zerfall der "Blogosphäre" voraussehen, weil ein paar Blogger beginnen, damit ein wenig Geld zu verdienen. Na und?
Ich sehe das gelassen.
Vor allem deshalb, weil ich schon viele Communities erlebt habe, die zunächst klein begonnen und irgendwann eine kritische Masse überschritten haben.
Ob das nun die Moderatoren eines Forums sind, die man der Zensur beschuldigt oder Weblogs, denen man Kommerzialisierung vorwirft, der Grund ist bei fast allen Anfeindungen derselbe: Neid.
Spreeblick startet eine Alternative zu Google-Adsense, und schon wird der Ausverkauf der Bloglandschaft beschworen.
Kerkeling läßt sich für das Schlämmerblog bezahlen, was für ein Skandal. Ja, selbstverständlich macht er das, es ist ja auch sein Beruf, den er da ausübt. Warum sollte er sich dafür nicht bezahlen lassen? Und VW hat bestimmt schon wesentlich mehr Geld für wesentlich unangenehmere Werbekampagnen ausgegeben.
Das DSDS-Blog wird spätestens, wenn die Sendung nicht mehr ausgestrahlt wird, wieder in der Versenkung verschwinden, und bis dahin ist es für mich nur eine Zeile in der Reichweitenrangliste.
Carsten Dobschat hat völlig Recht:
"Das war’s, aber so eine Aktion oder ein von VW gesponsortes Schlämmerblog sind genau so wenig der Untergang des Bloggerlands wie ein DSDS-Weblog oder schlechte Firmenweblogs."
So ist es. Locker bleiben.
Update:
Und ob René von Nerdcore für Geld eine Spielkonsole testet, ist ja wohl sowas von seine Sache. Als wäre er irgendwem Rechenschaft schuldig, so ein Unsinn.







Ich weiß nicht, warum der Begriff "Online-Tagebuch" so negativ besetzt ist? Vielleicht weil ein Tagebuch normalerweise was sehr persönliches ist?
Ich finde es dennoch die einfachste Möglichkeit, Leuten zu erklären, wie ein Blog funktioniert und "was die da machen". Allerdings gebe ich zu, dass mir noch keine Möglichkeit eingefallen ist, wie man ein Blog oder das Bloggen ansich kurz und schmerzlos erklären kann.
Auch wenn es das nicht hundertprozentig trifft, finde ich "Kolumne" noch am besten.
Tagebuch ist mMn. negativ besetzt, da Tagebücher nur eine einzelne Person betreffen (natürlich auch Menschen aus dem Umfeld) und wohl in den meisten Fällen von Leuten geschrieben werden, die keinerlei journalistische, oder schriftstellerischenAmbitionen hegen.
Auf den Punkt gebracht denken sich viele Menschen wohl: "Ein Tagebuch ist schlecht geschrieben und interessieren tut's auch keine S**"
Ich kann also durchaus verstehen, wenn manch einer diese Bezeichnung abwertend versteht.
Zum eigentlichen Thema, muss ich aber noch anmerken, dass ich mit
Lars in einem Punkt nicht völlig übereinstimme.
Ich glaube nicht, dass allein Unverständnis der Grund für die stiefmütterliche Behandlung seitens der "konservativen" Medien ist.
Insbesondere bei den Online-Publikationen renomierter Zeitungen habe ich das Gefühl, dass zu einem gewissen Teil auch Angst vor der aufkeimenden Konkurenz da mit reinspielt.
Wenn man früher 2-3 Tageszeitungen aus unterschiedlichen politischen Richtungen gelesen hat, um sich ein möglichst objektives Bild zu machen, reicht es heute eine dieser Zeitungen zu lesen und dazu mehrere Blogs, die man persönlich den besagten Lagern zuschreibt.
Ob das sinnvoll ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
MfG
Daniel
Also um den Satz "Wo ist bei einer Kugel “oben”?" beneide ich Dich ja wirklich – da wäre ich gerne drauf gekommen… :)
Locker bleiben.
Das ist mit das vernünftigste, was ich über diesen ganzen Bockmist bisher gelesen habe. Sehr gut.
Blogger, die sich zuvor nicht als Gruppe gesehen haben, werden durch die Begegnung mit einer anderen Gruppe (Fremdgruppe), z.B. derer, die ihnen "böses wollen", zur (Eigen-)Gruppe, da sie Intergruppenverhalten an den Tag legen, indem sie sich z.B. gemeinsam gegen Abmahnungen aussprechen.
Dies verstärkt zusätzlich noch die soziale Identität (die aus der Gruppenzugehörigkeit resultierende Vorstellung eines Menschen, was und wer er ist)der Blogger.
Das sagt die Sozialpsychologie dazu.
[Blogs] Warum?…
Eine Frage, die ich mir in den letzten Tagen öfter mal gestellt habe: warum blogge ich eigentlich? Oder genauer: warum schreibe ich ins Internet? Das mache ich nämlich schon deutlich länger als das Bloggen. Um genau zu sein habe ich erst…
@micha: Wahrscheinlich, weil man damit Inhalte verbindet, die über "Heute viel Hausaufgaben auf, kann nicht viel schreiben" nicht hinausgehen.
@Daniel: "Kolumne" benutze ich eigentlich auch am liebsten. Und das mit der Konkurrenz könnte sogar stimmen, wenn man sich gerade bei Stefan Niggemeier aktuell ansieht, wie Journalisten versuchen, Weblogs kleinzuschreiben.
@Carsten: Der Satz hat mich auch am meisten Zeit gekostet, im Gegensatz zum restlichen Artikel, der irgendwie viel zu larifari ist, so im Nachhinein betrachtet. ;-)
@René: Ist doch wahr. Ich halte die Aufregung eh für künstlich.
@J.: "Der Feind meines Feindes ist mein Freund." Schon klar.
[...] ansonsten: einfach mal locker bleiben. Was zählt ist der Spaß am Bloggen, die Lust an Publizität, nur darauf kommt es [...]
[...] Geld verdienen wollen, warum nicht? Vielleicht verändert sich das, was einige Leute "Blogospähre" nennen … aber hier geht nichts zu Ende. Diese „Sphäre“ verändert sich mit den [...]