Am Freitag war Harry Rowohlt in Hameln, und ich hatte das große Glück, ihn auf der Bühne erleben zu dürfen.
Ich war schon ziemlich gespannt, da ich mir zuvor bereits habe erzählen lassen, daß so ein Abend mit Herrn Rowohlt durchaus über drei Stunden und länger gehen kann. Und das war nicht gelogen, aber dazu später.
Er kam pünktlich um 20:30 Uhr auf die Bühne, Bier und Irish Whiskey standen schon bereit und die erste Überraschung war, daß er sich die Haare hat schneiden lassen, was er sogleich mit den Worten kommentierte: "Ich mußte mich gerade am Tresen mit meiner BahnCard ausweisen, aber ich hätte den Milchkaffee auch bezahlt, so isses ja nun nich."
Und schon dröhnte Harry Rowohlt los. Er begann mit seiner "Anschleimphase", in der er unter anderem verriet, daß im Gästebuch eines Schweriner Hotels eine bekannte deutsche Schauspielerin, die ich persönlich nicht leiden kann, das Wort "Schwerin" mit "ie" geschrieben habe.
Kaum fing er mit einem Text an, den er eigentlich vorlesen wollte, so hieß es nach dem ersten Satz jedesmal: "Ich war übrigens mal…", und schon schweifte Rowohlt wieder zu einer völlig anderen Geschichte ab, bei der man sich vor Lachen Furchen in die Schenkel schlug.
Erst nach zwei Stunden gab es eine Pause, die ich für diverse Dinge nutzte:
- auf Toilette gehen
- Bier kaufen
- Buch kaufen und
- selbiges signieren lassen

Wenn andere bereits Feierabend machen, legt Rowohlt erst richtig los: Kurze Zeit später kam er wieder zurück und machte ungebremst weiter.
"Ambassador of Irish Whiskey" sei er, er wisse auch nicht, warum man ihm diesen Titel verliehen habe, aber irgendwas müsse er wohl richtig gemacht haben.
Zwischendurch erzählte er Witze und sang unter anderem die Amerikanische B-Hymne, die er eigens ins Deutsche übersetzt hatte, was seinen Freund Bill Ramsey zu der Aussage bewegte: "Erst auf Deutsch hört man, was das eigentlich für ein Scheiß ist."
Und Harry Rowohlt las und erzählte und las und erzählte und las, ohne daß es auch nur eine Sekunde langweilig wurde.
Nichtsdestotrotz befanden sich offenbar auch etliche Waschlappen im Publikum, denn bereits nach 3 Stunden wurden einige Stühle frei.
Und da war Rowohlt noch lange nicht fertig. Gegen Ende wurde es dann melancholischer, denn er las eine Geschichte aus der Reihe "Pooh, der Bär" vor.
Damit beendete er dann auch einen großartigen Abend nach insgesamt 5 Stunden. (In Worten: "fünf")
Seitdem bin ich ein Riesenfan dieses genialen Mannes, und weil Ihr ruhig mal neidisch auf mich sein könnt:
Das Plakat habe ich mir auch noch unter den Nagel gerissen.

Das hängt jetzt bei mir an der Wohnzimmertür.
Und eines noch: Wenn Ihr irgendwie die Möglichkeit haben solltet, Harry Rowohlt live zu erleben, geht hin.
Ihr werdet es nicht bereuen.






Wie ist das Buch? Zu empfehlen?
Hört sich ja nach einem super Abend an, gibts Material von dem Mann?
Ich wollte eigentlich auch hin, war aber in Giessen :-(
Hoffe nur meine Eltern haben den Termin nicht verpasst.
Uns Harry Rowohlt ist immer zu empfehlen. Die Briefe erhellen einen jeden Tag, auch zum Mehrmalslesen geeignet und für Bären-Jünger ein Muss. Wer die Chance hat, eine Lesung von ihm zu hören, möge sie nutzen. Man braucht aber gutes Sitzfleisch oder schlechte Manieren, denn der Gute hört immer erst auf, wenn ihn einer zwingt, oder keiner mehr da ist.
Zitat:
Konjunktivitis heißt Bibdehautentzündung und nicht, dass einer den Indikativ verachtet.