Wahlparty

Das war kein guter Abend gestern in meinem Stammlokal. Erst die Begegnung mit dem weißen Wal, und dann sind die Jugendorganisationen der Lokalpolitik auch noch zum Stimmenfang angetreten, das Motto des Abends lautete nämlich "Wahlparty".

"Wahlparty", das Wort allein ist schon ein Widerspruch in sich. Das ist wie "alkoholfreier Cocktail" oder "koffeinfreier Kaffee", wie "fettarme Pizza" oder "vegetarischer Döner".

Normalerweise dienen diese Jugendorganisationen im Wesentlichen dazu, sich mit sich selbst zu beschäftigen, was den angenehmen Effekt hat, daß sie nicht der normalen Bevölkerung auf den Senkel gehen. Aber schließlich sind bald Kommunalwahlen, und dann kommen sie wieder aus ihren Löchern.

Und es reicht ja nicht, daß man die ganzen Hackfressen auf Plakaten an der Straße sehen muß, nein, sie drängeln sich ja mittlerweile auch in die Freizeitgestaltung.

So standen sie dann gestern auch im Foyer: JU-, JuLi- und JuSo-Frettchen, jeder einzelne austauschbar und per definitionem schon komplett überflüssig.

Die Sylt-Arschgeigen von der JU erkannte man schon von weitem, in dieser Partei herrscht offensichtlich Polohemden-Zwang. Sie warben selbstverständlich für ihren Spitzenkandidaten, einen Typen, der so sympathisch rüberkommt wie Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer, nämlich gar nicht.

Die JuSos hatten immerhin einheitliche rote T-Shirts an, dafür aber war die SPD-Spitzenkandidatin – ganz bürgernah – mit am Stand vertreten, und das hätte sie mal besser lassen sollen. Auf den Wahlplakaten sieht sie ja noch einigermaßen wählbar aus, gestern Abend allerdings trug sie ein großgeblümtes Sommerkleid und sah darin aus wie eine Mischung aus Puttchen Brammel und einer laufenden Hollywood-Schaukel.

Die Jungen Liberalen waren so nichtssagend wie der Rest der Partei und machten im Prinzip lediglich die Luft warm.

Im Saal dann die Quittung: Gähnende Leere.

Wenn das Motto nicht "Wahlparty" sondern "Milzbrand-Abend" gelautet hätte, ich glaube, es wäre mehr los gewesen.

Eines hat mich dann aber doch noch begeistert:

Die JU hatte eine Präsentation auf einem Beamer laufen, der allerdings hatte von diesen Laberköppen anscheinend auch die Schnauze voll und zeigte alles in einem angenehmen, monochromen Schwarz-Weiß mit leichter Grünfärbung.

Dadurch erhielten sämtliche Folien der Präsentation eine 1a-Weltuntergangsstimmung, und das gefiel dann sogar mir. Ach ja, "politische" schreibt man klein.

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