Bitte weitergehen

Hier nochmal der letzte Artikel in der Zusammenfassung, für diejenigen, die nicht so gerne viel lesen:

Ich habe ein neues Blog:

larsreineke.de

Der RSS-Feed lautet:

http://larsreineke.de/feed

Dieses Weblog hier wird nicht mehr weiterbetrieben.

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Und jetzt: Alles von vorn.

Einfach alles zurückdrehen. Nochmal von vorn anfangen, mit den Erfahrungen, die man bereits gesammelt hat. Sich wieder auf etwas freuen können. Und so tun, als machte man etwas zum allerersten Mal.

Wenn man im Wald unterwegs ist, nicht alles genau geplant und möglicherweise den einen oder anderen Wegweiser übersehen hat, dann kann es einem passieren, daß ein Pfad plötzlich mitten im Nichts endet. Man ahnt, daß irgendwo da hinten die sichere Stadt liegt, aber vor einem türmen sich nur noch umgefallene, dichte Nadelbäume auf, die den Weg versperren.

Dann beginnt man zu überlegen: Will ich da wirklich durch? Wie weit ist das noch, bis der Wald zu Ende ist? Wie viele Stunden oder Tage ist man bereit, durch unwegsames Gelände zu marschieren? Und wenn man gar nicht mehr hinausfindet?

Und schließlich trifft man die Entscheidung: Man muß umkehren. Einfach den ganzen Weg zurück. Zu dem Punkt, wo man noch die Orientierung hatte. Wo das Gehen noch Spaß gemacht hat und man unterwegs von anderen Wanderern gegrüßt wurde.

Mit dem "spitblog" bin ich mittlerweile an dem Punkt angelangt, an dem der Weg langsam immer matschiger wird, an dem einem kaum noch Wanderer begegnen und das Vorankommen immer mühseliger wird.

Es macht keinen Spaß mehr.

Diese ganzen Kommentare zum politischen Tagesgeschehen, das Piratenzeug, das die meisten Menschen vermutlich gar nicht interessiert, das Aufgreifen von Nachrichten und dieses Abarbeiten an lauter unangenehmen Dingen, ich bin es leid.

Schon allein der Name "spitblog" paßt mir ganz und gar nicht mehr. Ursprünglich war das alles mal angelegt, um bissige und, wenn möglich, einigermaßen amüsante Texte über Dinge zu schreiben, die mich interessieren.

In letzter Zeit ist mir aber aufgefallen, daß ich immer mehr dazu übergegangen bin, über Dinge zu schreiben, die andere interessieren oder von denen ich glaubte, dazu auch noch etwas sagen zu müssen.

Und viel zu oft war das relativ opportunistischer und zuweilen destruktiver Scheiß, der niemanden weitergebracht hat. "Spitblog", das klingt mittlerweile für mich in erster Linie nach aufgesetzter Hassattitüde.

Als mir zuletzt mal wieder ein Blogeintrag meiner Meinung nach so richtig gelungen ist, war das ein lustiger Text über meine sportlichen Aktivitäten, der voller Selbstironie war. Ein Artikel, bei dem mir Leute persönlich sagten, wie sehr er ihnen gefallen hat. Und dann ist mir aufgefallen, daß dieser Text ein Fremdkörper in dem war, was ich aus dem Spitblog gemacht hatte.

Ich will das nicht mehr.

Und deswegen fange ich neu an, unter meinem eigenen Namen, unter "larsreineke.de".

Der Name des Blogs soll mich daran erinnern, daß ich das bin, der da schreibt. Daß das, was ich da mache, mich repräsentiert, nicht den politischen, nicht den gesellschaftskritischen und auch nicht nur spaßigen Teil von mir.

Dort soll fortan mein Blog sein. Ich würde mich freuen, wenn Ihr auch diesmal wieder mit dabei seid.

Die Kommentare hier bleiben noch eine Weile offen. Wenn irgendwann nur noch Spam kommt, nicht mehr. sind geschlossen.

Bill Cosby über Zahnärzte

Bevor Bill Cosby seine entsetzlich biedere "Cosby-Show" produziert hat, in der immer alles gut wurde, solange man nur auf seine Eltern hörte, sein Gemüse aufaß und viele Kinder zeugte, bevor er also zum schwarzen Vorbild sämtlicher Von-der-Leyens dieser Welt wurde, da war er mal sehr lustig, was einige grandiose Bewegtbildaufnahmen bei YouTube beweisen.

In einer davon beschreibt er einen typischen Zahnarztbesuch und zeigt damit, daß man früher auf wundersame Weise sehr komisch sein konnte, ohne wie eine tourettekranke Bahnhofsnutte zu fluchen:

(YouTube DirektCosby)

Mit bestem Dank an Sven für den Tip!

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Raucht – aber hört mit dem Gelaber auf

Meine Meinung zum Rauchverbot ist ziemlich schnell umrissen:

Liebe Raucher,

meinetwegen könnt ihr auch am Endrohr eines Linienbusses ziehen, mir isses egal. Ob ihr damit die Gesundheitskassen belastet, interessiert mich auch nicht weiter, das machen andere genauso. Ob das nun die Fußballspieler sind, die sich Samstagmorgens mit 1,5 ‰ Restalkohol gegenseitig in die Knöchel grätschen oder die fetten Säcke, die da zugucken, sich dabei 8-10 Halbe reindrehen und denen auf dem Platz zubrüllen, sie sollten sich mal bewegen, die faulen Schweine.

Ich will nur zwei Dinge: Daß ihr mir nicht in die Fresse qualmt. Ich furz euch im Restaurant ja auch nicht mitten ins Gesicht.

Und, und das ist fast noch wichtiger: Daß ihr aufhört, so zu tun, als ginge es hier um Freiheit, Selbstbestimmung oder sonst irgendein Grundrecht, was euch weggenommen wurde.

Ihr seid süchtig. Akzeptiert es, und hört auf zu lamentieren.

Wenn ihr mal vorher etwas rücksichtsvoller gewesen wäret und ein paarmal mehr gefragt hättet, ob es euren Mitreisenden, den anderen Gästen oder denjenigen, die mit euch auf den Bus warten, etwas ausmacht, wenn ihr ihnen die Klamotten vollstinkt, dann müßten wir jetzt gar nicht darüber sprechen.

Ihr wollt in Ruhe rauchen? Dann bleibt doch zu Hause. Kennt ihr, die Argumentation, was? Wir drehen das jetzt einfach mal um.

So lange ihr immer noch nicht gelernt habt, daß man auch mal ein bis zwei Meter vom Eingang weggehen kann, anstatt allen anderen Gästen zuzumuten, durch eine kalte Nikotinwolke laufen zu müssen, so lange werden wir uns weiter dagegen wehren.

So einfach ist das.

links for 2010-07-02

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Gegen den Chip im Ball

Nach dem zu Unrecht nicht als Tor gewerteten Treffer von Frank Lampard in der Fußball-WM-Begegnung Deutschland gegen England werden Stimmen laut, die fordern, den Ball mit einem Chip auszustatten, der dem Schiedsrichterteam meldet, ob der Ball vollständig hinter der Torlinie war oder nicht.

Bürgerrechtsorganisationen wie StopRFID, der FoeBuD und die Piratenpartei lehnen ein solches Vorhaben jedoch aus Datenschutzgründen strikt ab.

"Auch Multimillionäre haben ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung," so der Sportbeauftragte der Piratenpartei, Bodo Schokolowski, direkt nach dem Spiel. "Ein mit einem solchen Chip überwachter Ball macht das Spielverhalten jedes einzelnen Teammitglieds vollkommen gläsern. Nicht genug, daß jeder Spieler mit Rückennummer und Namensaufdruck eindeutig identifizierbar ist, ganz zu schweigen von der ständigen Kameraüberwachung am Arbeitsplatz, jetzt soll auch noch das Arbeitsgerät durch den Arbeitgeber elektronisch überwacht werden. Das ist einfach nicht mehr hinnehmbar."

Betroffen wären zudem nicht nur die Spieler sondern auch Zuschauer, die den Ball zufällig fangen, sowie Balljungen, Sportartikelverkäufer und Platzwarte.

Gegen den Überwachungswahn im Sport äußerte sich daher auch der ehemalige Fußballprofi Günter Netzer in der Halbzeitpause: "Fußball bedeutet Drama!"

Kritisiert wurde auch, daß ein solcher Chip praktisch von jedem ausgelesen werden kann, ohne daß der ballführende Spieler dieses erfährt. Als Alternative schlägt die Piratenpartei daher Torschiedsrichter vor, die hinter der Linie sitzen und jeweils einen Barcodescanner mitführen. Sobald der Ball sich hinter der Linie befindet, kann dessen Barcode für alle öffentlich sichtbar vom Torschiedsrichter ausgelesen werden.

Auf das Problem hingewiesen, daß dies doch den Spielverlauf drastisch verzögern würde, reagierte Schokolowski hingegen gelassen: "Es ist nicht Aufgabe der Politik, die Probleme von Sportverbänden wie der FIFA zu lösen. Wenn ein Fußballspiel nicht datenschutzkonform ausgerichtet werden kann, dann müssen solche Veranstaltungen eben untersagt werden. Da muß man auch mal unpopuläre Entscheidungen mittragen und entsprechend kommunizieren."

Gerüchten zufolge habe allein der Stürmer Mario Gomez keinerlei Bedenken gegen einen solchen Chip im Ball. Was das anginge, habe er nichts zu verbergen, so lautete es aus noch unbestätigter Quelle.

links for 2010-06-02

  • "Niemand käme auf die Idee, die aparte Blondine auch nur in die Nähe einer wie auch immer gearteten intellektuellen Prädisposition zu rücken. Ursula von der Leyen wäre eine Sockenpuppe der Kanzlerin in Schloss Bellevue. Das hat das Land nicht verdient, das hat das Volk nicht verdient, das hat aber auch das ehrenwerte Amt des Präsidenten nicht verdient."

links for 2010-05-25

  • "Ich weiß, ich muss Dich nicht lesen. Aber ich würde gerne. Weil Du der einzige Laden bist, der dem teilweise gekauften, rechtskonservativen, dümmlichen, rückschrittlichen Gelaber [..] etwas entgegensetzt, das nicht überwiegend so seltsam nach einem alten Bioladen riecht, wie die taz."

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Verkürzung der Zivildienstzeit – Eine Mogelpackung

Nachdem ich mich gestern morgen etwas länglich mit Ute (@terrorzicke) auf Twitter über die Verkürzung der Zivildienstdauer und mögliche Alternativen unterhalten habe, stehe ich mehr oder weniger vor einem Dilemma.

Einerseits hat sie völlig Recht. Das Problem unzureichender Pflege kann nicht durch Zwang auf dem Rücken – oder besser: der Lebensplanung von jungen Leuten ausgetragen werden. Es eignet sich nun mal nicht jeder für den Pflegeberuf, das lässt sich sicher nicht bestreiten.

Andererseits bedeutete Zivildienst noch nie ausschließlich das Wischen von Ärschen, wer sich auch nur ein wenig Mühe gegeben hat, hatte auch schon vorher keine Probleme damit, eine Zivildienststelle zu finden, die nicht unbedingt direkten Körperkontakt erforderte. Ob das nun das Ausfahren von Essen auf Rädern war, der Hausmeisterposten im Seniorenheim oder als Animateur in einer Jugendherberge.

Alles prima Jobs: Nur hilft das den Schwerbehinderten und anderweitig Pflegebedürftigen wenig, obwohl sämtliche ehemaligen Zivildienstleistenden, die ich kenne – mich eingeschlossen -, alle einhellig der Ansicht sind, daß der Zivildienst eine extrem wertvolle Zeit war, die einem zum ersten Mal gezeigt hat, wie es ist, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen.

Was man jedoch nicht vergessen darf: Die Situation in der individuellen Pflege ist ohnehin schon mehr als angespannt, und auch wohlmeinende Grundsätze, daß ein Zivi nicht Ersatz für eine ausgebildete Kraft sein darf, sind nicht sonderlich hilfreich, wenn sich niemand daran hält, weil das Geld fehlt.

Was nun jedoch durch die Verkürzung der Zivildienstzeit auf 6 Monate noch einmal verschärft wird, ist das Problem, daß Zivis aus ihrer Einarbeitungszeit überhaupt nicht mehr herauskommen und dadurch zum Teil in bestimmten Bereichen gar nicht mehr eingesetzt werden können.

Unsere Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder feiert nun den faulen Kompromiß, den Zivildienst freiwillig um ein paar Monate zu verlängern, wie eine soziale Errungenschaft, da dadurch die Zeit überbrückt werden könne, bis das Studium oder die Berufsausbildung beginnt.

Ich halte das für eine Mogelpackung. Zum einen ist die Anzahl der geleisteten Zivildienstmonate de facto geringer als vorher. Es stehen also weniger Ressourcen in der Pflege zur Verfügung, da dieser Ausfall nicht kompensiert wird. Auf der anderen Seite kann man sich ja mal überlegen, welche jungen Leute es sind, die – machen wir uns nichts vor, vor allem aus finanziellen Gründen – den Zivildienst bis zum Beginn der Ausbildung verlängern: Sicher nicht die, deren Eltern es sich auch problemlos leisten könnten, wenn das Kind ein paar Semester länger studiert.

Halten wir also fest: Die individuelle Hilfe wird gekürzt, aufgrund der stärkeren Fluktuation sinkt die Qualität der Pflege, ein finanzieller Ausgleich findet nicht statt.

Die Familienministerin hätte also auch einfach verkünden können: “Wir sparen ab sofort Geld im Pflegebereich. Seht zu, wie ihr klarkommt.”

Das kommt natürlich nicht so gut an wie “Der Zivildienst ist gerettet”.

Es hilft kein Drumherumreden: Wer menschenwürdige Pflege erhalten will, der muß dafür auch bezahlen. Und wer das nicht will, der soll sich nicht hinter scheinheiligen Äußerungen verschanzen, daß “die besonders engagierten Zivis” die hohe Qualität der Pflege aufrechterhalten werden.

Diejenigen sollten dann aber eines nicht vergessen: Daß mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann der Tag kommen wird, an dem auch sie Hilfe für alltägliche Verrichtungen benötigen werden. Und vielleicht denkt dann auch mal jemand an diejenigen, die genau diese Hilfe bereits leisten – und die mangels Grundeinkommen auch heute noch nicht von der Gesellschaft dafür entlohnt werden.

Sollte man haben, finde ich

Details unter organspende-info.de.

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